161
Schwaben und Baiern her und die daraus erfolgte Theurungein Ende nahm und freier Verkehr wieder den Handel belebte.
Der Stiftskirche zu St. Gallen drohte in Folge dieserEreignisse eine große Gefahr. ES waren am 29 . Juni 1800starke Rotten deutscher Kriegsgefangener/ meist aus ReichS-truppen bestehend, daselbst angelangt; man schätzte ihre An-zahl auf Zooo Mann; kaum vermochte der Klosterhof ste allezu fassen. Und stehe, es fiel den gefangenen Kriegern ein, inder geräumigen Stiftskirche stch anzusiedeln. Schon lagertesich eine Kolonie darin; eS knisterte Feuer unter mehrernKochtöpfen — alS die Geistlichen des Stiftes voll banger Besorg-mß herbei eilten und mit Hülfe der Polizei den prächtigenTempel von den gefährdenden Ankömmlingen säuberten. Min-der nachtheilig, aber eben so empörend waren andere Auftrittevon Seite dieser Leute, z. B. daß Männer und Weiber ohneScheu ganz nackt herumgiengen und auf öffentlichem Platzeam hellen Tage stch beiwohnten! — Man führte ste erst den2 . Juli nach ihrer wettern Bestimmung nach Frankreich ab;andere Transporte von Kriegsgefangenen mußten nachhinSt. Gallens Stadtgräben beziehen.
68. Die Stadt St. Gallen sollte Exekutionstruppenerhalten; Veränderung in der helvetischen Re-gierung; Haupquartier der fränkischen Reserve-armee zu St. Gallen.
Unter der Leitung staatökluger und friedliebender Vor-steher hatte die Stadt St. Gallen bis dahin mit einer seltenenMäßigung die Unbill der Zeit und die Lasten des Krieges er-tragen, auch nur mir gar zu pünktlicher Folgsamkeit denForderungen der helvetischen Regierung entsprochen, alö stenun (isoo) auf einmal in Hinsicht der letztem des Gegen-theils beschuldigt wurde. Die Sache verhielt stch so.
Der Obereinnehmer Zuber verlangte von dieser Ge-meinde die Entrichtung der Staatsabgaben schon im MonatApril, bevor diese Forderung an andere Ortschaften desKantons gemacht worden war. Die Munizipalität von St. Gal-
ii