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Flucht zu suchen. Ihn quälte jetzt wieder eine trübe Ahnungvon neuen Unglücksfällen/ weil der Erzherzog Karl vomKriegsschauplätze abgetreten und Gen. Kray im Haupt-kommando ihm gefolgt war; erst in den Schluchten der Tiroler-gebirge glaubte er sich einstweilen vor dem Feinde geborgen.
Indessen lag das Archiv und ein Theil der Bibliothekdes Stiftes St. Galle«/ in mehr als 150 Kisten eingepackt/im Kloster Füssen. Beim schnellen Vordringen der fränki-schen KriegSvölker Miethen die Aufseher dieser litterarischenSchätze in die größte Verlegenheit. Die Mönchszellen undverborgensten Winkel mußten in aller Eile die herrlichenProdukte des Alterthums und der Musen aufnehmen; da§Kostbarste wurde aber unterm 30. Mai in 19 Kisten nachIm st abgeführt.
Den 11 . Juli zogen die Franken zu Füssen ein undGen. Leeourbe verlangte aus dasiger Bibliothek drei St. Gal-lische Manuskripte/ die dort aufgestellt waren — eine Unvor-sichtigkeit/ die die nachtheiligsten Folgen hätte haben können.Denn nun argwohnte der Feind die Anwesenheit mehrerer sol-cher Schätze; Alles wurde hervorgesucht und mußte eine gewalt-same Musterung aushalten; ein Glück war'S/ daß nicht dieganze Sammlung Ordre bekam/ nach den Ufern der Seinezu wandern. Inzwischen hatte man das Glück / abermals einebeträchtliche Anzahl benannter Merkwürdigkeiten hinter denRücken des feindlichen HeereS/ nach Neu-RavenSburg,zu liefern/ und die zu Füssen zurückgebliebenen nahm der frän-kische Gen. Molitor auf dem Zuge nach Baiern durch eineoffene Erklärung in besondern Schutz. So ward die berühmteHandschriften- und Urkundensammlung für den nachherigenKanton St. Gallen erhalten.
Die Fortschritte des fränkischen HeereS im deutschenReiche wurden in der Schweiz/ besonders in deren östlichenKantonen- dadurch fühlbar/ daß nicht nur der Unterhalt eine»Theiles desselben aufhörte/ sondern die Getreidesperre von