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Nun haben Sie den bisherigen Hergang der Sachen; ausdiesem ist Folgendes zu entnehmen: bisher waren die aus-wärtigen Gesandte Uns zuwider/ vielleicht werdensie bald besser denken; die neueren Briefe an die Kaiseru. s. f. nach Paris könnten etwa bei verändertem Systemgegen die Schweiz etwas bewirke»/ besonders wenn derPabst/ den ich darum gebeten/ seine Vorstellungen bei denKaisern macht; die katholischen Schweizerkantone sind gutgesinnt/ das St. Gallische Volk überhaupt auch; hiemit 'ist nicht alle Hoffnung aufzugeben.
Der Pabst war immer unbeweglich für die Erhaltungder Abtei und hat nun ein sicheres Mittel in der Hand/wenn er nämlich bei Errichtung der BiSthümer in derSchweiz festsetzet/ daß im St.Gallischen kein andrer/ alsein jeweiliger Abt des Stiftes die geistlichen Gerichts-barkeiten auszuüben habe: die Regierung müßte sodann volon»nolens die Abtei herstellen. Ich habe dieses dem Nun-tius/ wie auch dem Kardinal-Staatssekretär be-merkt. So liegen die Angelegenheiten; nun muß ichauf die Punkte Ihres Schreibens antworten.
Das Memorial (an den Pabst) ist ganz gut verfaßt undverdiente zu seiner Bestimmung zu gelangen; allein es ist nichtrarhsam/ eS in derer Namen zu übergebe«/ dienichts davon wissen; es könnte Ihnen/ mein lieberMitbruder/ frühe oder spät/ Verdrießlichkeiten zuziehen; insolchen Geschäften und besonders da man so viele Widersacherhat/ muß man lausch uud sicher fahren. Es ist aber auchnicht rathsam/ die Einwilligung oder Unterschriften zusammeln/ wenn man nicht die Geschichte von Hr. Konradund Thomas i) wiederholen will. Der Pabst ist ohnedemhinlänglich unterrichtet; hiemit lasse ich die Schrift einst-weilen hier liegen.
Zwei Konventualen von St. Gallen/ die wegen Sammlungvon Unterschriften an den Pabst Eg arretirr und in's bischöfficheSeminar zu Mörsburg eine Zeitlang waren gesetzt worden.
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