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Stille und Abgeschiedenheit die Lebenslage ruhig dahin flößen,bis er nach lange anhaltender Schwäche, den 9. Juli 1829,
76 Jahre alt, daö Zeitliche daselbst verließ, und auch dieGrabstätte erhielt. Weder er selbst, noch Jemand anders hatte >sein Lebensalter auf so viele Jahre berechnet; denn er warschwach von Körperbau, und litt in jüngcrn Jahrenstark an Schwindel und Kopfschmerzen; aber die öfter» undgroßen Reisen, die er machte und die Hoffnung vom Wic-deraufblühen seines ihm so theuern Stiftes verliehen ihmKraft und Muth, und verlängerten seine Lebensbahn. »Manwartet mit Sehnsucht auf meinen Tod", — sagte er bis-weilen lächelnd, »darum lebe ich so lange"! —
100. Gedanken über die Wiederherstellung desStiftes St. Gallen.
Man hat in jüngster Zeit Manches über die Wiederher-stellung der Abtei St. Gallen hie und da gesprochen undgeschrieben, wohl gar auch behauptet, cö sei bereits ingchcimein neuer Abt von den Kapitularen erwählt oder wenigstensbezeichnet worden; eS seien auch unter der St. GallischenGeistlichkeit Leute vorhanden, die man Novizen nennenkönnte, und die sogleich auf eine» gegebenen Wink alS Be-nediktiner auftreten würden, u. dgl. m. Darüber nur WcnigeS-
Von einer stattgehabten Wahl eines neuen AbteS kannwohl im Ernste keine Rede sein; denn diese hätte nach kano-nischen Formen und von allen stimmfähigen Kapil-laren geschehen müssen; nun weiß aber wenigstens ein großerTheil der Kapitelöglicder nichts von einer solchen Wahl, oderman sage von wem, wann und wo sie geschehen sei? Ebensoohne Grund ist eS, daß mau den neuen Abt schon bezeichnethabe. Wer kann einen solchen bezeichnen? Nur die MehrheitdcS Kapitels. Ein solches Bezeichnen zum Voraus würde aberim Grunde noch zu Nichts führen, indem der Bezeichneteeiner kanonischen Wahl steh unterziehen müßte und Umständeeintreten könutcu, daß er durchfallcn würde. Auch an der