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Geschichte des ehemaligen Stiftes und der Landschaft St. Gallen unter den zween letzten Fürstäbten von St. Gallen, besonders während den Jahren der helvetischen Revolution bis zur Aufhebung des Stiftes / von Franz Weidmann, gewesenem Mitglied des aufgehobenen Stiftes St. Gallen und vormaligem Bibliothekar an der kathol. Kantonal-Bibliothek in St. Gallen
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253
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daß nichts so noth thut, als zu verhüten, daß nicht Anlaßzu Unruhen eröffnet werde und deßwegen, daß du selbst, derdu dich in der Leitung deiner Kongregation durch so vieleJahre geübst hast, derselben noch vorzustehen fortfahrest undderen Bedürfnissen deine nicht so nothwendige Muße nachzu-setzen. Ihr hast du alle deine Gedanken und Sorgen unddich selbsten angelobt, ihren Vortheilen mußt du einzig dienenund für ihr Heil sogar daS Leben, wenn eS nöthig ist,aufopfern.

Lege also, geliebter Sohn, die Willensmeinung, die duangenommen hast, ab und erhalte dich und deine Kräfte mitgroßem Herzen und führe muthig das Amt, welches dir schonlange nach GotteS Willen auferlegt worden ist; auf ihn setzedeine Hoffnungen und höre nicht auf, Hülfsmittel zu Ar-beiten für seine Ehre zu erflehen. Auch daS gönne UnS, dieWir dich lieben, die Wir wünschen, daß deine Kongre-gation im Wohlstände und blühend sei, daß Wir in Rückstchtderselben ohne Sorgen sein können. Daher ertheilen Wir dirsehr liebevoll den Vorboten jedes besten Erfolges, den anSväterlichem Herzen geschöpften apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom bei der heiligen Maria der größer»unter dem Fischerringc, den 11 . Juli 1788, Unsers Pabstthumöim 14. Jahre.

Benedikt Stay.

e.

Den geliebten Söhnen, den Kapitularcn und demKapitel deö Klosters St. Gallen, Pius VI. Pabst.

Geliebte Söhne, Gruß und apostolischen Segen!

Unsere väterliche Gesinnung gegen Euch und die beson-dere Liebe, die Wir für euer Kloster hegen, treibt UnS diesesSchreiben zu erlassen, durch welches Wir Euch, geliebteSöhne, den nicht geringen Kummer, der UnS quält, mit-theilen sollen. Schon von einigen Jahren her haben Wirvernommen, daß unter Euch Auftritte von Zwist und Un-einigkeiten entstanden sind, und daß daher zu einer großenStörung cuerer religiösen Verbindung gekommen feie. Dadamals durch UnS, soviel eS füglich geschehen konnte, solchen