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Geschichte des ehemaligen Stiftes und der Landschaft St. Gallen unter den zween letzten Fürstäbten von St. Gallen, besonders während den Jahren der helvetischen Revolution bis zur Aufhebung des Stiftes / von Franz Weidmann, gewesenem Mitglied des aufgehobenen Stiftes St. Gallen und vormaligem Bibliothekar an der kathol. Kantonal-Bibliothek in St. Gallen
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31. Brief desselben an den Nämlichen, vom30. Juni 1798.

Ich erwarte bis jetzt/ cS ist bereits 4 Uhr und habe

Ihre» Brief noch nicht empfangen.-Eben jetzt kömmt

Hr. Benedikt zu mir und sagte/ Br. Küenzle habe seinenVater ermähnt/ ihn mit sich nach Hause zu nehmen; dieserwar wirklich in dieser Absicht hier (schon zum dritten Mal hatKüenzle die Ermahnung an ihn ergehen lassen): die Nr»fache ist/ weil die Franzosen nächstens kommen dörftn, diel?3tre8 nach Aarau zu führen ^). Küenzle sagte mir voreinigen Tage»/ daß/ wenn eine fremde Macht kommen sollte/wir daS erste Opfer sein müßten.

Das sind freilich eitle Drohungen; da aber Küenzle seineDrohungen gewöhnlich auszuführen pflog/ so läßt sich dieSache überdenken/ u. s. w.

32. Politische Ansichten und Aeußerungen desSchultheiß von Steiger über die Schweiz ^im Frühling 1798

Von sich oder auch nur von seinem Kanton (Bern)sprach Herr von Steiger keine Sylbe/ nur vom gemeinsamenVaterlande. Er glaubte/ die Geistlichen könnten und solltendurch Religionsbegriffe auf die wahren im Lande zurück-gebliebenen Patrioten und durch politische Grundsätze ausdas Volk wirken. ES müßte aber sehr vorsichtig dabeizu Werke gegangen werden. Nichts wäre schädlicher,als partielle/ kleine Explosionen/ das Ganze müßte zu-erst organisirt/ und auf den größten Theil sicher gerechnet

1) Auch Ammann Egg er und Ztprian von Goßau verlang-ten ihre Söhne/ die noch in Schwaben waren, zurück; aber dieseerschienen noch eine geraume Zeit lang nicht, theils um ihreStudien zu vollenden, theils um dem Willen deSAbtes zu entsprechen.

2) Wörtlich aus der Relation einer Unterredung gezogen, welcheLr.v. Srerger m Bregen; auf seiner Reise nach Wien mit dreiSt. Gallischen Geistlichen hatte. viar.SsiigsilLnss, d. 23. Mai Es-