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Quellenbuch zur Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts für höhere Lehranstalten / von Friedrich Neubauer
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Bon Gustav Freytag.

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als Gewähr für die Güte der Ware. Wenn das Schiff eines Hansenfremden Strand anlief, wo Heidenvölker wohnten, und der Kaufherr dasWohlwollen eines Häuptlings gewann für den Tauschhandel, den er ineiner Strandhütte einrichtete, dann mußte er dem Heiden Leib und Gutanvertrauen; wenn er mit den Jägern und Zeidlern des Volkes eine Liefe-rung von Fellen, Wachs und Honig besprach für die nächste Schiffahrt, somußten beide Teile ein ganzes Jahr lang die Zuversicht haben, daß derandere zur bestimmten Sommerzeit die Fahrt nach der Küste machenwerde. Und überall, wo der Handel auf gebahnten Straßen ging, hattedies geschäftliche Zutrauen sehr früh bestimmte Formen gewonnen. DieGeldanweisungen auf befreundete Häuser waren nirgend zu entbehren, seitdem Anfange des 15. Jahrhunderts wird auch die Übertragung dieserAnweisungen auf Dritte und die Bürgschaft Dritter durch angehängteSiegel in Deutschland gebräuchlich.

Die Kreuzzüge hatten zahllose Erfindungen und Genüsse des Südenszu einem deutschen Bedürfnis gemacht, die Küsten des Mittelmeers, dergroße Markt Konstantinopel und die Handelsstädte der Italiener warendem bewanderten Deutschen vertrauter als manche Landschaften desrömischen Reiches, Wagelust und Unternehmungsgeist waren hoch gesteigert.Von den Kreuzzügen beginnt der großartige Aufschwung des deutschenVerkehrs.

Bis zur Gegenwart hat der deutsche Handel das Kulturverhältnisder Zeiten gerechnet die Höhe, zu der er im letzten Jahrhundert vorder Reformation erblüht war, nicht wieder erreicht, fast der gesamte Land-handel nach der Welt des Ostens und beide Nordmeere bis über dieholländische Küste standen damals unter Herrschaft des deutschen Kauf-manns, der in den großen Marktstädten Mitteldeutschlands, in Magdeburgund Erfurt, in Halle und Leipzig, die Waren des Nordens und Südenstauschte.

Aber auf keinem Gebiet irdischer Geschäfte wird der Unterschiedzwischen Oberdeutschen und Niederdeutschen so bemerkbar, als in der Tätig-keit, welche Völkerschranken mehr als jede andere durchbricht. Mittelmcerund Nordmeer, Landhandel und Seehandel, Fabrikant und Kaufmann,Goldwährung und Silberwährung stehn im Verkehr der Ober- und Nieder-deutschen gegeneinander. Die großen Binnenmärkte Ulm, Augsburg,Nürnberg, Basel, Straßburg, Mainz, Regensburg, Frankfurt kaufen zu-meist von Gegenden, in welchen der Himmel milder, der Verkehr reicherentwickelt, die Kultur älter ist, bei ihnen gewinnt der Handel zuerst fastmoderne Formen in fester Verbindung mit großen fremdländischen Ge-schäften; dort zieht mit Waren und zierlicher Arbeit des Südens auch