Einleitung,
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Übertreibung der Schuld des Weibes im Vergleich zu der desMannes, gewissermaßen als Begründung für die eingetreteneZurücksetzung oder Entthronung.
Einen lesenswerten Aufsatz: „Sagen aus Kunstwerkenentstanden" findet man bei Kinkel, Mosaik zur Kunstge-schichte; Berlin, 1870 S. 161—243; derselbe ist im folgen-den mehrere Male benutzt worden. Hier gleich wollen wir nocherwähnen, daß Uhlands hübsches Gedicht „der Schenk vonLimburg " nach seiner eigenen Mitteilung keinen bestimmtenSagengrund hat, sondern durch eine Figur in derKirche zu Gaildorf veranlaßt ist, zu der die Phan-tasie Justinus Kerners die Deutung geliefert hatte (S. 221). *)
Diese uns zeitlich nahe liegende Thatsache führt uns aufdie Bemerkungen von Lepsius über Herodot:
„Wer die Berichte des Herodot über die ägyptische Geschichte liest undmit dem vergleicht, was uns setzt durch Manethos und die Denkmäler darüber bekanntist, der kann keinen Augenblick verkennen, daß hier durchgängig eine Auffassung zuGrunde liegt, die sich keineswegs durch die persönliche Eigentümlichkeit des griechischenReisenden allein erklärt, noch die bequeme und leichtfertige Rede mancher Auslegerrechtfertigt, als habe sich Herodot aus Leichtgläubigkeit und wegen ungeschickter Fragenvon den verschmitzten Priestern Märchen aufbinden lassen. Diese Art von Schalk-haftigkeit war dem Altertum überhaupt fremd, und besonders den Ägyptern. Wirhaben hier vielmehr feste an Ort und Stelle schon vor Herodot ausgebildete Ansichtenund Auffassungen vor uns, welche auf echter, nur eroterifcher Mitteilung sachverständigerPriester beruhten, aber unter halbgebildeten Laien, namentlich unter den angesessenenGriechen und den mit ihnen verkehrenden Interpreten, zu dem geworden waren, waswir Lei Herodot wiedergegeben finden. Wie überall bei volkstümlicherMythenbildung, dergleichen wir hier seit Einbürgerung der Griechenentstehensehen,knüpstensichdiebeliebtestenErzählungenanvorhan-deneDenkmäler. Diese vor allem unterstützten die Einbildungskraft und das Gedächtnisder Hörer und Erzähler. So ist auch Herodots Geschichte der Ägypter fast nur eineReihenfolge von Erzählungen über die Urheber bestimmter, die Aufmerksamkeit be-sonders auf sich ziehender und zwar fast ausschließlich memphitischer Monumente."(Lepsius: Chronologie der Ägypter. 1. S. 48.)
Interessant ist es, daß Herodot an einer Stelle (II. 131)schon selbst Kritik in diesem Sinne übt. Es waren ihm Statuenohne Hände gezeigt worden, welche, wie ihm versichert worden
*) Die Kirche ist 1868 abgebrannt; eine ähnliche Erzählung findet sich übrigensschon in §6 ee-rko a-rkre/iö oax». 23, im 13. u. 14. Jahrhundert entstanden,
welche Uhland selbst, Schriften Band I. S. 998 anführt.