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Einleitung.
Zur Zeit des Sinkens des Römischen Weltreichs ver-schwanden leider zu viele der nach Rom aus allen Ländernzusammengeschleppten Kunstschätze; aber
„weder der Haß der Christen, noch der Raub Constantins des Großen, noch diePlünderung durch Westgothen, Vandalen und die Söldner Ricimers haben die un-ermeßlichen Schätze römischer Kunstwerke zu leeren vermocht. Die Römer selbst habenes gethan ..denn Theoderich oder sein Minister fand zu der Klage Grund, daßder Schmuck Roms in so entarteter Zeit nicht mehr dem Schutze des Schöuheitsge-fühles, sondern den Straßenwächtcrn anvertraut werden müsse. Diese Vigiles derKunstwerke waren angehalten, die Straßen bei Nacht zu durchstreifen, um die Räuberan Bildsäulen, welche man nicht mehr wie zu Verres Zeit, nach dem Werte der Kunst,sondern nach dem des Metalls schätzte, zurückzuschrecken oder zu erfassen und man fandeinen Trost darin, daß die ehernen Statuen durch ihren Klang das Brecheisen desDiebes selber zu verraten im Stande seien: „„Denn die Bildsäulen sindnicht gänzlich stumm, weil sie doch durch ihren Glockenklang dieWächter warnen, sobald sie von den Schlägen der Diebe getroffenworden (Oassioäorus. Variarurn ILlr. VII. 18; statuae uoo in toto muts.6 suut;
Aus dieser Bemerkung des Cassiodorus ist nach Gregoro-vius die wunderbare Sage entstanden, wonach die aufdem Kapital aufgestellten Statuen der Provinzenmit Glocken läuteten, sobald ein Aufruhr in denentsprechenden Provinzen ausgebrochen war.(Gregorovius; Geschichte der Stadt Rom im Mittel-alter I. S. 279.)
Über denselben Gegenstand (Legenden aus Kunstwerkenentstanden) bemerkt Max Müller „Über die Sprache"(deutsch): I. S. 508:
„Es war bei den älteren Künstlern ein gewöhnlicher Gebrauch, Märtyrer,welche mit dem Schwerte hingerichtet worden waren, ihren Kopf inihren Hände» haltend darzustellen. Das Volk, welches die Bildsäulen sah,konnte sie nur in einem Sinne begreifen lind es glaubte fest daran, daß gewisseMärtyrer ihren Kopf durch ein Wunder nach der Enthauptung in ihren Händen ge-tragen hätten."
Am bekanntesten darunter ist der heilige Dionysius,aber auch von einer Menge anderer wird es erzählt. DerKampf mit dem Götzendienst oder was die Missionäre sonannten, wurde als Kampf mit giftigen Reptilien dargestellt;daraus ist dann die Legende entstanden, daß der heiligePatrick ganz Irland von Kröteu und Schlangen befreit habe.