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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
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65
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Die Griechen.

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Die Athener hatten ein Sprüchwort „Gleichgültigsür Hippokleides". Dieser, bei ihnen durch Reichtumund Schönheit hervorragend, war (ca. 572 v. Chr.) einer dervielen ausgezeichneten Freier der Agariste, der Erbtochter desTyrannen Kleisthenes von Sikyon. Herodot erzählt 6,126—130eine sehr erheiternde Geschichte, wie Hippokleides von Kleisthenesbegünstigt, bei einem Fest in so vorzügliche Laune gerät, daßer schließlich sich auf einem Tisch auf den Kopf stellt unddabei mit den Beinen in der Luft herumfuchtelt. Sehr an-ständig kann das kaum gewesen sein, und Kleisthenes hättedeshalb voll Ärgers zu ihm gesagt: „Du hast Dir die Hochzeitvertanzt", — einem andern die Tochter gewährend. Hippo-kleides soll dann mit dem obigen Ausruf wieder auf seineFüße gesprungen sein. Liest man die Kapitel bei Herodotüber nach, so findet man eine so fertige Novelle, daß es ebenüwhl auch nur eine Novelle sein wird. Solche Sprichwörterentstehen oft aus sehr unbedeutenden Anlässen und die Novellewird dann später dazu erfunden.

Im Jahre 554 v. Chr. wurde Phalaris, der ausRhodos stammende Tyrann von Akragas (Agrigent) gestürzt.Sehr bekannt ist die Erzählung von dem ehernen Stier, denHm Perilaos von Athen hatte anfertigen müssen. Phalarishätte Menschen, die er umbringen lassen wollte, in das Inneredes Stiers hineinsperren und denselben dann glühend machenkassen; das erste Opfer soll der Künstler selbst gewesen sein;nach einigen soll Phalaris sogar kleine Kinder verspeist haben;schließlich, was noch das Erfreulichste wäre, selbst in seinemRkarterinstrument, nachdem er durch Telemachos gestürzt worden,verbrannt worden sein. Man irrt wohl nicht, wenn mandiese Berichte auf den Kultus des phönizischen Baal Molochbezieht, in dessen Stierbilde, wenn es glühend gemacht war,allerdings Menschen-, besonders Kinderopfer dargebracht wurden,welcher Kultus von Phoenizien nach Rhodos (Zeus Atabyrios),von da nach Gela, von da nach dessen Pflanzstadt AkragasTreppenwitz. 5