64
Die Griechen.
läßt den Alexander seinen Mantel über den Toten aus-breiten.
Über den Aufenthalt Alexanders in Persepolis sagt Dropsen(a. a. O. S. 361):
„Kleitarch, der Scgur Alexanders, der mit außerordentlichem Talente, aber aufKosten der Geschichte, Geschichten gemacht hat, ist für diese Wintcrrast in Persepolisiiberschwänglich reich an geistreichen Zügen. Jene Griechen, die vergreist, verstümmelt,gebrandmarlt, voll Scham »nd Verzweiflung dem Könige entgegentreten, die befohleneErmordung der Einwohner, die Gelage des KönigS, endlich jene athcnis chc TänzerinThalS, die in der Begeisterung des Tanzes einen Fencrbrand vomAltar reißt und in den Palast wirft, deren Beispiel trunken und in wilderSiegcslust Alexander und seine Getreuen folgen, daS alles sind Märchen, die ausderselben Quelle geschöpft, von einer Reihe spätgsborcncr Schriftsteller so oft undmit solcher Zuversicht wiederholt werden, daß sie mit der Zeit zu historischer Ge-wißheit geworden sind."
Über die Anzündung der Königsburg sagt z. B. Plutarch,nachdem er die Geschichte von der Thais angeführt: „einigeerzählen den Hergang so, die anderen dagegen behaupten, essei wohl überlegt geschehen."
Sogar mit den Amazonen ließ man den König nochzusammenkommen. Plutarch (46) erzählt, daß Kleitarchos,Polykleitos, Onesikritos, Antigenes und Jstros es berichten;Aristobulos, Chares, Ptolemäos, Antikleides,Philon aus Theben,Philippos aus Theangela, Hekatäos von Eretria, Philipposvon Chalkis und Duris von Samos es aber für eine Er-dichtung erklären. Offenbar ist viel davon die Rede gewesen.Die nicht ganz salonfähigen Einzelheiten stehen auch beiDiodor 17, 77 und bei Arrian 7,13. Entstanden ist die Sagevielleicht aus der Thatsache, daß der Satrap Atropates ausMedien dem Alexander später vor dessen Rückkehr nach Babylonhundert berittene Weiber schenkte.
Es stammt die Sage von den Amazonen, überhauptvon den griechischen Ansiedlern an der Westküste Kleinasiens,welche daselbst Kultusstätten einer Göttin vorfanden, die sieihrer Artemis verglichen, deren Diener entmannte Priesterund bewaffnete Jungfrauen waren. Die Namen erklärten !die Griechen sich volksetymologisch als die „Brustlosen" und