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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
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Die Griechen.

Auf bloßen Klatsch sind die Reibereien und Sticheleienzurückzuführen, in welche Platon, Aischines und Aristipposam Hofe des Dionysios von Syrakus sich gegen einanderergangen haben sollen; die Erzählung, daß Platon später,auf Veranlassung des Tyrannen, in Aigina als Sklave ver-kauft, jedoch bald wieder ausgelöst worden sei (Diodor XV. 7;Diogenes Laürtius III. 14), ist so hoffnungslos verworren,daß man nicht beurteilen kann, was daran historisch ist. —Annikeris aus Kyrene, der zufällig anwesend war, soll ihnfür 20 oder 30 Minen (— 1500 oder 2250 Mark) frei-gekauft und später die Wiedererstattung dieses Betrages vonPlatons Freunden abgelehnt haben; darauf hätten diese fürdas gesammelte Geld das Gärtchen bei der Akademie ge-kauft ; alles dies ist schon deshalb unwahrscheinlich, weil Platonvermögend genug war, sich selbst freizukaufen.

Ein anderer Klatsch ist die Erzählung des Sillographen(Spottschriftenschreibers) Timon (325—235 v. Chr.), welchebei Gellius, Xootss ^ttioas III. 17 steht, Platon habe umvieles Geld ein kleines Buch gekauft, um darnach seinenTimaios zu verfassen. Ein unechter Brief Platons an Dion (s. o.)enthält den Auftrag, pythagoräische Bücher zu kaufen. Hermippos(um 200 v. Chr.) sagt, Philolaos habe ein Buch geschrieben,das Platon erstanden habe, um daraus den Timaios abzu-schreiben (Uglarmey, Grundriß der Gesch. der Phil. des Alter-tums, 6. Aufl. 1880 S. 54).

Ein völlig grundloses Vorurteil ist die schon im Altertumsehr verbreitete, im 18. Jahrhundert von Tennemann (Systemder platonischen Philosophie; Leipzig 1792) wieder aufge-frischte, von Schleiermacher aber ein für allemal zurückgewieseneMeinung, daß Platons mündlicher Unterricht nicht bloß inder Form, sondern auch in der Sache wesentlich verschiedenvon dem gewesen sei, was er in seinen für einen größerenLeserkreis bestimmten Schriften gab, mit einem Wort dasMärchen von einer exoterischen und einer esoterischen