Buch 
Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
Entstehung
Seite
136
JPEG-Download
 

136

Die Mmer.

aus einem Spottnamen ein Ehrenname, gerade so wie dieweiter unten aufgeführten Torquatus und Praetextatus. —Unverschämt wird die Erfindungssucht, wenn, kurz nachdemder Senat den beabsichtigten Meuchelmord des Mucius gut-geheißen, er die Cloelia, welche ihrer Gefangenschaft alsGeisel entfliehend zu Pferde über die Tiber nach Romzurückschwimmt (!), dem Könige aus moralischem Zartgefühlwieder zustellen läßt. Die Sage ist wohl nur ein Versuch desVolkes, sich die Entstehung des später in der Nähe der viasaora vorhandenen auffallenden Denkmals, ein Weib zu Pferdedarstellend einigermaßen zu erklären, von dem es gar nichteinmal ganz gewiß war, wem es errichtet worden war; eineandere Auslegung war, daß Porsena der Cloelia ein prächtigaufgezäumtes Schlachtroß aus Bewunderung geschenkt habe;später hat man beide Erklärungen zu einer Geschichte zu-sammengezogen. Überhaupt ist die dem Porsena bei dieserGelegenheit durch Livius angedichteteGemütlichkeiteine solche, wie die Menschen sie — fast immerirrtümlich — gewaltigen Personen gern zu-schreiben; es ist ihnen dann wohler ums Herz.

Die Schlacht am Regillussee 496 v. Chr. gegen denlateinischen Städtebund ist ganz „wie die Schlachten der Jliade.Alle Feldherren begegnen sich in Zweikämpfen und diesewenden den Sieg hierhin und dorthin, während die Mengeohne Entscheidung streitet." (Weiter s. Niebuhr I. S. 364.)Nach Dionysios erschienen die Dioskuren in der Schlacht,sowie nach derselben in Nom, wuschen sich und ihreWaffen in der Quelle Juturna (auf dem Forum in derNähe des Dioskurentempels) und meldeten dann den Sieg„ehe ein sterblicher Reiter die Nachricht dorthin bringen konnte."Livius schweigt davon. Eine rationalistische Auslegung, daßetwa der Feldherr die Siegesnachricht nach Rom auf elektrischemWege telegraphiert hätte möchten wir nicht versuchen;es ist aber ungemein merkwürdig, daß schon betreffs der etwa