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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
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Die Römer,

Den Camillus gar scheint eine antike Louise Mühlbachunter den Händen gehabt zu haben; die hübschen Antworten,die theatralischen Situationen jagen einander förmlich in seinerGeschichte. — Dabei zeigt sich uns wieder der schon erwähnteMangel an Originalität; die Geschichte der Eroberung vonVeji (396 v. Chr.) z. B. erinnert schmerzlich an diejenigevon Troja; beide dauern zehn Jahre: bei beiden wird vonaußen ein Tunnel nach einem Tempel gegraben, was ohneKenntnis des Kompasses einfach unmöglich ist (Niebuhr II.S. 233 ff.); während man eher hätte glauben sollen, die volk-reiche Stadt wäre nach so langer Belagerung durch Hungerzur Übergabe gezwungen worden; aber davon wird kein Wört-chen erzählt. Livius verliert bei dem Bericht über die Ein-nahme zuletzt die Geduld:

„Hier bekommt eine Sage einen Platz: Als der König der Vejenter geopferthabe, habe die Versicherung des Opserschauers, daß dem der Sieg beschieden sei, derdie Eingeweide dieses Opfertiercs den Göttern vorlegen werde, die römischen Soldaten,die dies in der Mitte gehört hätten, bewogen den Gang zu öffnen, das Opferfleischzu rauben und zum Diktator (Camillus) zu bringen. Bei Erzählungen von so hohemAlter will ich zufrieden sein, wenn man das für wahr annimmt, was allenfalls wahr-scheinlich ist. Was sich aber, wie diese Angabe, mehr m it der Darstellun gauf der Bühne, welche Abenteuer willkommen heißt, als mit derGlaubwürdigkeit verträgt, das zu erhärten oder zu widerlegen verlohnt sichnicht der Mühe" (5,21).

Als Camill die Stadt Falerii belagerte, soll ein Lehrervornehmer Knaben seine Schüler verräterischer Weise in dasrömische Lager geführt haben, worauf Camill den KnabenRuten giebt, womit sie den Lehrer in die Stadt zurück treiben;durch soviel Edelmut gerührt, unterwirft sich dann die Stadtden Römern (393 v. Chr.), (Livius 5, 26—27, Dionysios vonHal. 13, 1—2 u. a.); diese Geschichte, die oft gemalt wordenist, muß, denke ich, aus einem römischen Schulbuch, einer Art„Kinderfreund" herstammen oder aus einem antiken „Töchter-album". Denn 37 Jahre später erschienen die Falisker, ver-bündet mit Tarquinii als Roms offene Feinde; nicht wieRebellen, sondern als ein unabhängiges Volk. Überhauptsind die Erzählungen von der Rechtlichkeit, Groß-