Buch 
Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
Entstehung
Seite
164
JPEG-Download
 

164

Die Römer.

und der Ptolemäer; nicht wahr, aber sehr gut erfunden." — (NachdemAugustus die Leiche Alexanders betrachtet, soll er es abgelehnt habe», die Gräber derPtoleinäer zu besuchen — „er wolle Könige sehn, nicht Tote.")

Über die Kaiser, vom zweiten ab bis Nero, diesen mit-eingeschlossen haben uns Tacitus, Suetonius und andereHistoriker wahre Schauergemälde von Grausamkeit und Ver-worfenheit geliefert. Schon Montaigne und nach ihm Voltaire,dieser in seinem Aufsatz „ /ie

X///, haben sich skeptisch über Tacitus ausgesprochen.Ihm folgte der erste Napoleon 1804 in seinen Äußerungengegen Fontanes. In neuerer Zeit hat Adolf Stahr eineLanze für Tiberius und eine andere für Agrippina ge-brochen, ohne im ganzen damit viel Anerkennung zu finden.Doch ist manches in seinen Schriften wohl zu beachten. Wie-viel zu den Schauergeschichten über die Kaiser die ohnmächtigeWut der aus dem Sattel gehobenen römischen Geschlechter,wieviel boshafter und unkontrollierbarer Hofklatsch beigetragen,wieviel die Absicht nach dem Aussterben des Julisch-ClaudischenGeschlechts mit Nero der folgenden Herrscherfamilie zu schmei-cheln, ist heut wohl nicht mehr möglich zu entscheiden. Her-mann Schiller in seiner Geschichte des römischen Kaiserreichsunter der Regierung des Nero, Seite 7, urteilt wie folgt:

„Wir sind gewohnt, Tacitus als das Muster eines Geschichtsschreibers preisenzu hören und es mag dies Lob in mancher Hinsicht gegründet sei»; nur darf mandarunter nicht die Quc llenkri tik und d ic eig cne Forschung begreifen;den» diese stehen auch bei Tacitus erstaunlich tief. ArchivalischeStudien hat er nie gemacht."

Stahr macht besonders darauf aufmerksam, wie Tacitussich immer stellt, als wisse er ganz genau die geheimsten Ge-danken, welche Tiber bei allen seinen Entschlüssen und Hand-lungen gehabt (was doch eigentlich nur dem Romanschreiberfrei steht), und dann jeder Handlung die niedrigsten Motiveunterlegt. Das Ende des Tiber war nach Tacitus, daß er,nachdem er schon für tot gehalten, wieder zu sich kam, jedochmit Kissen erstickt wurde. Suetonius erwähnt dies nur alsein Gerücht; Ranke bemerkt darüber (W. G. III. S. 303):