Buch 
Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
Entstehung
Seite
180
JPEG-Download
 

180

Die Deutschen.

zurückzukommen, wie er doch versprochen. Auch das sonstganz unerhörte Benehmen des Segestes wird auf diese Artbegreiflich. Diese Hypothese ist gar nicht so sehr kühn; dennCaligula verfuhr wenig später ganz ähnlich; aber da merktees sogar der süße Pöbel. Wenn „Thumelicus", nachdem erherangewachsen, dem Spotte anheimfiel, so dürfte das wohlmit diesem Triumphzuge zusammenhängen, und mit derlächerlichen Rolle, die er darin gespielt hatte. — Die Erzählungnun gar, daß er zu Ravenna als Gladiator erzogen worden,nebst andern sehr abenteuerlichen Einzelheiten, stammt auseinem erst 1857 gedruckten Drama: „Der Fechter vonRavenna" von Halm (v. Münch-Bellinghausen). AdolfStahr erwähnt diese Fabel als Geschichte in seinem „Torso"erste Auflage 1854 und 55, im Kap. I. S. 534, hatte diesaber später vergessen, da er in der „Deutschen Rundschau"Juliheft 1876, S. 106 in einem Aufsatz „Wie aus SageGeschichte wird" die Unwahrheit der Erzählung nachwies,ohne jedoch zu erwähnen, daß er sie einst selbst kolportierthatte.

Mußten wir vorher (S. 172) die Araber wenigstens inSchutz nehmen gegen den Vorwurf, als hätten sie die ptole-mäische Bibliothek in Alexandrien absichtlich vernichtet, sowollen wir hier einen Protest gegen die Vorstellungen ein-legen, die man über die Wandalen noch zu hegen pflegt.Übrigens stammt der Ausdruck Vandalismus erst aus denZeiten der französischen Revolution, während die Engländerdenselben Begriff mit dem Worte bezeichnen, der

vielleicht passender ist, wenn man sich erinnert, wie Alarichim Peloponnes gehaust. Vergl. über die angebliche Wildheitder verschiedenen germanischen Stämme: Frey tag, Bilderaus der deutschen Vergangenheit. Aus dem Mittelalter; be-sonders S. 202 und 207—9. Es soll gern zugegeben werden,daß die Schilderung welche uns Tacitus über die gesell-schaftlichen Verhältnisse der alten Germanen gelassen hat, mehr