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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
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183
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Die Deutsche».

183

„Um den Fortgang der Ereignisse zu verstehen, muß man sich vor allem ver-gegenwärtigen, wie sich Chlodwig zu den Mannschaften verhielt, die ihm in denKrieg gefolgt waren, und zu den Bevölkerungen, die ihm fortan unterworfen seinsollten. Das erste erkennt man aus dem berühmten Streit, der bei der Teilung derin Soissons gemachten Beute vorfiel. Darunter war ein wertvolles Kirchengefäß,um dessen Rückgabe der Bischof, dem es gehörte, den König gebeten hatte. Diesforderte er jetzt von den versammelten Mannen als eine besondere Gabe für sich.Unter denen aber befand sich einer, der, indem er mit seiner Axt anf das Gesäßschlug, dem Könige sagte: er solle nichts haben, als was ihm durch das Los in derThat zufalle. Der König jedoch hatte die Mehrzahl für sich; er nahm das Gefäß undüberließ es dem Geistlichen. Dem Widersprechenden that er damals nichts zu Leide;bei der nächsten Musterung aber setzte er vieles an seiner Rüstung aus, nahm ihmseine Waffe ab und als sich der Franke niederbeugte, um sie wieder aufzunehmen,schlug ihn der König mit seiner Axt zu Boden; denn so habe er einst an jenemKirchengefäße gethan. Man sieht der fränkische König ist von Kampfgenossen umgeben,die sich ihm nahezu gleich achten, wie das dem germanischen Herkommen entsprach.Aber Chlodwig benutzte seine Stellung als Oberbefehlshaber, um den Widerspenstigenzu strafen."

Nach den Untersuchungen der Gebrüder Grimm gehörtjedoch die ganze Erzählung in das Bereich der Fabel, des-gleichen die auch von Ranke aufgenommene Geschichte derHeirat Chlodwigs mit Clotilde, der Nichte des burgundischenKönigs Gundobad, welche seinen Übertritt zum Christentumzur Bedingung ihrer Einwilligung machte.

Nach der hübschen Erzählung von der durch Wulfram denBischof von Sens und Abt von Fontanelle versuchten Be-kehrung des Königs Radbod von Friesland (719) hatte dieserangeblich schon einen Sohn durch Wulfram taufen lassen, den-selben aber bald darauf durch den Tod verloren; dennoch ent-schloß er sich selbst zur Taufe; schon stand er mit einemFuß im Taus st ein, als ihm einfiel an Wulfram die Fragezu richten, wohin denn seine Vorgänger, die heidnischen Friesen-fürsten, gekommen seien, in den christlichen Himmel oder in dieHölle? Auf die Antwort des Bischofs, daß dieselben als un-getauft unzweifelhaft der Hölle anheim gefallen seien, zog Rad-bod den Fuß mit der Erklärung zurück, daß er der Gesellschaftseiner Vorfahren nicht entbehren könne und auf den christlichenHimmel in der Gesellschaft wenigen Gesindels verzichte.

„Diese Erzählung findet sich am frühesten in einer Biographie des Wulfram,die einem gleichzeitigen Mönch in Fontanelle, Jonas, beigelegt wird; allein dieseArbeit muß wegen erheblicher Widersprüche als durchaus unbrauchbar gelten.