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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
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188
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Die Deutschen.

„Dass Widukinds Entschluß viele seines Volks zum selben Schritt bestimmte,ist sehr glaubwiirdig', ebenso auch, daß Karl der Große selber bei seiner Taufe Patewar und nachher enge Freundschaft mit ihm hielt, gleichfalls, daß Wirukind die Er-richtung zahlreicher Kirchen beförderte und zwar meistens an Stellen, die vorherheidnischem Dienst bestimmt waren. Nur die weitere Angabe, daß mit ihm seinganzes Heer zur Taufe gegangen sei, wird schon durch den Umstandwiderlegt, daßKarl ihn znrTaufc nachAttignh entbot und ihm dort-hin vorausging, wahrscheinlich um ihn, so die Ausführung des Entschlusses durchdie Entfernung von der Heimat zu erleichtern . . . . Weiteres melden zuver-lässige Nachrichten über Widnkind nicht, dagegen hat die Sage nicht ver-säumt, sich an diese so anziehende Persönlichkeit anzusehen .... Seine Taufewird bald auf Bonifaz, bald auf Lulius zurückgeführt; ja, da dieses Ereignis für diechristlichen Chronisten am anziehendsten war, so hat sich eine von den beglaubigtenBerichten, die sie nach Attignh verlegen, völlig abweichende Sage ausgebildet. Widu-kind habe sich als Kundschafter in das Lager Karls des Großen bei Wolmirstedt ander Elbe im Gewände eines Bettlers cingeschlichcn, sei aber an einem krummenFinger erkannt und vor Karl geführt. Diesem habe er erzählt, wie er Zeuge desWunders der Transsnbstantio»'») gewesen sei; als Karl beim Gennße desSakraments die Hostie genommen, habe er statt derselben in dessen Mundedie Figur eines Kindl eins erblickt. Folge der Unterredung sei WidukindsTaufe und die Aufnahme eines weißen Pferdes in sein Wappenschild, wie eS nochjetzt das Wclfischc Fürstenhaus führt, statt des schwarzen gewesen rc" (Rcttberg,Kirchengcschichtc Deutschlands, H. S. 4»? ff.)

Das Grab Widukinds wird in der Kirche Eger gezeigt;1884 wurde ein Relief-Bronzeguß von Heinrich Wesing daselbstaufgestellt, natürlich mit unhistorischer Gruppierung.

Von dem erwähnten Abt von St. Gallen stammt auch die„Schullesebuch-Geschichte", wie Karl einst bei einer Prüfungdie armen Knaben so gut befunden und belobt, den nachlässigenreicheren aber sein Mißfallen bewiesen habe; „sie ist wohl nureine von den Anekdoten, womit dieser humoristische Erzählerseinen Herrn, Karl den Dicken, unterhielt; aber sietrifftdoch ganz den Geist Karls in der BeaufsichtigungseinerBildungsan st alten". (Rettberg, KirchengerichteDeutschlands, I. S. 428.)

„Mit dc» Krcuzziigcn artete die KarlSsagc aus und verlor allen geschichtlichenInhalt; besonders Aachener Religuic» brachten die Erzählung von Karls Kreuzfahrtzu allgemeiner Geltung, und fortan traten die Lügen des falschen Tnrpin an die Stellevon Einharts treuer Schilderung. Wie daneben ini Munde der fahrenden Sängerdas Andenken Karls sich erhielt und umwandelte, darüber genügt es, auf das schöneWerk von Gasto» PariS MHor>e cke 6/rat-sema/me (Paris 1865) zu ver-

weisen." (Wattenbach, a. a. O. S. 15t.)

') Das Dogma von der Transsubstantiation wurde erst 1S15 feierlich Proklamiert!