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Die Deutschen.
Schauergemäldes bei genauerem Hinsetzn beträchtlich erblassen.Auch die Abendmahlsprobe erscheint unhaltbar.
„Die Hauptguelle, welcher das Ereignis immer nacherzählt worden ist, ist einMönch in dein hessische» Kloster Hcrsfeld, des Namens Lambert. Hat dieser Mannin dem deutschen Kloster Hcrsfeld die Ereignisse in Italien wirklich so zuverlässtger-weise gekannt? Dazu zeigt sich, dass Lambert von einer höchst feindseligen Gesinnunggegen den König Heinrich erfüllt ist und öfter von der Wahrheit zweifellos abweicht.Nun finden wir, um einen ganz frappanten Punkt herauszugreifen, daß mehrereandere Erzähler, welche dem Könige ebenfalls sehr feindlich gesinnt sind, von demGottesurteil des Abendmahls, welches Gregor herausgefordert und dem Heinrich sichentzogen haben solle, nicht nur nichts wissen, sondern sogar einfach miitcilen, daßPapst und König nach der Buße gcmcinschasilich wirklich das Abendmahl genommen.
Wie aber wäre es möglich, wenn die Scene in der That stattgefunden, wenndie Macht des Gewissens sich in so überwältigender Weise dargctha», daß irgend einHörer und Erzähler, noch dazu ein Verehrer des Papstes, nicht von diesem Ereignishätte erfahren und es weiter erzählen sollen? Wie auch die Erzählung entstandensein mag — so etwa, daß Heinrich, um seine bußfertige Stimmung zu bekunden, sichselbst an jenem Tage noch nicht würdig des Sakramentes bekannt hat —, ob nunaus solchen oder ähnlichen Keimen sich die Sage entwickelt, sicher ist, daß diese Abend-mahlsscene sagenhaft und entstellt auf uns gekommen; wie aber sollen wir einemErzähler, der in einem so wesentlichen Punkte offenbar falsch berichtet war, oderfalsch berichtet, ohne weiteres daS übrige glauben?" lHans Delbrück, Historischeund politische Aussähe, Berlin 1887, S. öl!. Canossa. wo auch (S. 48) in sehr ein-gehender Weise dargelegt wird, warum sich ein solcher Austritt nur einmal ereignenkonnte und nie wieder.)
An die Schlacht bei Weinsberg (21. Dezember 1140)knüpfen sich zwei Fabeln; erstens, daß in derselben zuerst dieParteirufe „Hie Wels, hie Waiblingen" vernommensein sollen; zweitens die bekannte Erzählung, daß den Frauennach der Einnahme erlaubt worden sei mit dem, was sie aufden Schultern tragen könnten, frei abzuziehn, worauf jedeihren Mann auf dem Rücken davon getragen hätte. DerKönig Konrad IU., aufgefordert diese Arglist zu ahnden,hätte dies abgelehnt; „denn ein Königswort dürfe nichtgeändert werden". (Grimm, deutsche Sagen, 2. Aufl. II.S. 169.) Bürger hat diesem Ausspruch in der Ballade„die Weiber von Weinsberg" die citierbarere Formgegeben:
Ein KaiserwortSoll man nicht drehn noch deuteln,
welches Wort leider auch unhistorisch ist. — Zu vergleichen