Buch 
Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
Entstehung
Seite
206
JPEG-Download
 

20 <>

Die Deutschen.

Nachdem Hoeck diese Zweifel im großen und ganzen zu-rückweist, bemerkt er dennoch, daß wohl

„die Worte, welche bei jener Zusammenkunft gesprochen sei,, sollen, auch die Erzählungvon der Gegenwart und dem Verhalten der Kaiserin und des Truchsesr Jordan mitihren Reden grösstenteils auf Rechnung der Schreibenden zu sehen seien,"

ferner, daß es sich nur um eine Kniebeugung gehandelthabe, die zwar als demütigend, aber nicht als erniedrigendund entehrend angesehen wurde. — Dargestellt wird der be-rühmte Auftritt in einem Wandgemälde von Wislicenus imKaiserhause zu Goslar,

„aber in einer Weise, die auf Heinrich den Löwen ein sehr ungünstiges und nichtglaubwürdigcrwcise begründetes Licht wirst. Tausende und aber Tausende von Be-suchern jener denkwürdigen Stätte werden dadurch irre geführt. Auf diesem BildeWendel der Herzog sich mit finsterem Gesichte von dem zu seinen Füßen knieendenKaiser ab und Jordan steht ihm zur Seite in rotem Mantel, roter Kopfbedeckungund mit den Mienen eines Mephisto. Man glaubt die höhnenden Worte aus seinemMunde hervortönen zu hören. Auch die Kaiserin steht da lind sieht mit strengemBlick auf die Scene, in dem man den ihr zugeschriebenen AuSruf lesen kann.

Nun erzählen allerdings der Flandrer Giselbert von HaSnon und der nach 1240seine Chronik niederschreibende Albert von Stade, daß der Herzog den vor ihmliegenden Kaiser aufzuheben verschmäht habe. Aber andere, die den Vorgang genauerwissen konnten, erzählen anders Nach Arnold von Lübeck hebt der Herzog, im höchstenGrade erschrocken über die Situation, den Kaiser sogleich auf. Und wenn man seinemZeugnisse als welfenfreundlich Glauben zu versagen geneigt sein möchte: der » ent-schieden staufisch", gesinnte und der Zeit wie dem Orte nahestehende Bnrchard vonUrsperg läßt Heinrich die Kniebeugnng taktvoll (llisoroto) sogar verhindern.

Hoeck weist auch darauf hin, daß das kleinere, jenem zurSeite hängende Bild, die Lehnseidleistung Heinrichs darstellend,»»historisch ist, indem neben dem auf dem Throne sitzendenKaiser und dem vor ihm knieenden Herzog eine Figur sichbefindet, die eine Krone hält. Solche Belehnungen geschahenaber nicht durch Krönung, sondern mit Fahnen. Vergl. Cuno,das Kaiserhaus in Goslar 1815.

Ebenso »»historisch sind zwei noch heute im Dogenpalastin Venedig dem Fremden gezeigte Bilder, die NiederlageKaiser Friedrichs zur See und dessen Demütigung inVenedig (1177) durch Papst Alexander III., welcher seinenFuß auf des Kaisers Nacken setzt, dieses von Zuccaro. BeideEreignisse haben nie stattgefunden; allerdings hat der Kaiserdem Papst die Füße geküßt; dann aber gab ihm der Papst