Die Deutschen. 207
den Friedenskuß, geleitete ihn in die Kirche und erteilte ihmam Altar seinen Segen.
Zum Treppenwitz der Sage eigentlich und nicht zu demder Geschichte gehört es, wenn erzählt wird Friedrich Bar-barossa schlafe im Kyffhäuser. Erst im 14. Jahrhundert knüpftdiese Sage an den Kyffhäuser an und erst im 17. wird Bar-barossa genannt; bis dahin galt sein Großsohn Friedrich II.als der Schlafende; Rückerts 1817 erschienenes Gedicht er-setzt dann endgültig den zweiten durch den ersten Friedrich.(Lemcke; der deutsche Kaisertraum und der Kyffhäuser, Magde-burg 1887.)
Über Heinrich (ff 1195) bemerken wir noch, daß er sichschon bei Lebzeiten gern „der Löwe" nennen ließ; auf dieKirche des 1189 von ihm zerstörten B a r d e w i e k ließ er dieberühmte Inschrift setzen: „vs8ti§ia lsonis".
„Noch heute sieht mau aus dem Domplatz zu Braunschwcig das eherne Standbildeines Löwen von strenger und nach Art der Wappentiere stilisierter Arbeit, aber nichtohne Charakter; man setzt es noch ins zwölfte Jahrhundert . . . .; dieser Löwe vonBraunschwcig ist ein symbolisches Denkmal, das den Fürsten selber bezeichnet Daaber Heinrich wirklich am heiligen Grabe gewesen, knüpft das Volksbuch an den großenHelden unter anderen das Abenteuer von einem Kampf mit dem Drachen, aus dessenUmschlingung er den dankbaren Löwen gerettet. Dieser letzte Zug nun knüpft sich ganzunzweifelhaft an das Löwenbild zu Braunschwcig an; der symbolische Löwe erhielt imVolksgemüt Fleisch und Blut, denn das Volksbuch schließt mit der Erzählung, daßnach dem Tode Heinrichs der Löwe auf seinem Grabe gestorben und bei dem Domeabgebildet worden sei." (Kinkel, Mosaik zur Kunstgeschichte, S. L 12 f)
Ja, am Nordportal des Domes in Braunschweig nochvorhandene Reifen, das Wahrzeichen Braunschweigs, sollen derSage nach von dem treuen Löwen aus Trauer über den Todseines Herrn mit seinen Tatzen eingekratzt worden sein.
Dem Erzbischof Engelbert aus Köln (um 1180) schreibtdie Sage die Schaffung der Vehmgerichte oder vielmehrdie Ausdehnung ihrer Gerichtsbarkeit über die Grenzen West-falens hinaus zu. Was aber heute über jene Gerichte ge-glaubt wird, stammt meistenteils aus Romanen und Theater-stücken, denen allerdings schon früher falsche Auffassungenentgegenkamen.