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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
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208
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Die Deutschen.

„Solche Fabeln und ein Verkennen der Grundlagen, auf welche sich die Vehmcstützte, finden sich schon bei den Schriftstellern des XV. und XVI. Jahrhunderts. BessereForscher des XVII. und XVIII. Jahrhunderts, unter denselben namentlich DattThomasens, Kindlingcr und Kopp, und im XIX. Jahrhundert Berck klärten zwarmanches aus, blieben aber auch in sehr Vielem noch im Dunkeln und trugen sichmit manchen auffallenden Missverständnissen und Entstellungen. Erst Eichhornwies in seiner deutsche» StaatS- und Rcchtsgcschichte mit Hülfe seiner gründlichenhistorischen Studien, seines Scharfblicks und seiner genauen Kenntnis des Rechtsdes Mittclalters den wahren historischen Zusammenhang mehr nach und trennte dieGeschichte von der Fabel und ebenso nach ihm, aber unabhängig von ihm, Wigandin seiner ausgezeichneten Monographie über die Bchmgcrichtc. Einzelnes Schätzbareswurde noch von anderen Neueren, z. B. von Thicrsch, Trost, Uscner nachgetragen.Allein bei den letzteren findet man wieder nicht wenige Nachklänge alter Irrtümer,und selbst Wigand scheint sich nicht ganz von Zugaben der Phantasie freigehalten zuhaben und mitunter, wie auch Eichhorn, Bestimmtheit nnd Klarheit vermissen zulassen. —

Unter diesen Umständen war es um so weniger zu verwundern, dass die nichtjuristischen Historiker, selbst bis in unsere Zeit, grösstenteils das Institut entwedernoch nicht recht begriffen haben oder sich wenigstens in, einzelnen »och mit manchenIrrtümern über dasselbe tragen. Ganz verunstaltet endlich wurde es in den Händender Dichter, Roinanschrciber nnd Touristen. Will man eine recht falsche Vorstellungvon den Vehmgcrichten sich verschaffen, so lese man nur den Ritterroman Knno vonKtzbnrg oder Heinrich von Klcists „Äätchcn von Heilbronn" oder HnbersTrauerspiel „Das heimliche Gericht", nnd selbst manches aus der neuesten Zeit könnte ingleicher Weise genannt werden. Und so ist es erklärlich, dost auch jetzt noch die Laienbeinahe durchaus niit irrigen Vorstellungen über die Vehmgcrichte sich tragen.

Nach diesen Vorstellungen sollen die Vehmrichter in tiefer Nacht an unzugänglichenOrten, in, schauerlichen Walde oder in tiefen Gewölben gerichtet, vermummt sich ver-sammelt, vermummt ihre Urteile vollzogen, ohne Ankläger rein inguisitvrisch verfahren»nd — von keinen, Gesetz, keiner Rcichssatznng geheiligt — eigenmächtig durch einenschauerlichen Bund die Berechtigung selbst sich gegeben haben n. s. f. In Baden-Bade» werden jetzt »och täglich den gläubige» Badegästen in dem Schlosse schauerlicheGewölbe gezeigt, die ein Sitz der heiligen Vchnie gewesen sein solle». — In demeinen sollen die Verhafteten geschmachtet habe», in den, andern sollen sie gefoltertworden sein, und Reste von Marterwerkzeuge» an der Wand sind den, Beschauer einhandgreislichcr Beweis von der Mähre; — in dem dritten soll das Gericht gesessennnd bei Nacht und Dunkel tief nntcr der Erde gerichtet haben; in den, vierten er-blickt man die Stätte des Jnngscrnkusses, an welcher der Verurteilte, aus ein unterdem Fuße weichendes Fallbrctt gestellt, einer Statue zugefallen nnd von ihr in ihrenniit Messern bewaffneten Armen zermalmt worden sei» soll. So erzählen noch Alois,Schreiber, Friderike Brn», Reichard in seinen, Passagier nnd andere Beschreiben, undobgleich Klübcr diese Irrtümer in seiner Beschreibung von Baden widerlegte, so werdensie doch noch von späteren Touristen gläubig wiederholt — man nehme nur z. B.Mrs. Trollopc, welche i» jene» Gefängnissen fand, dass sie an, sprechendsten in un-heimlichen Hieroglyphen zeige», wo und wie die Schlachtopfcr der Behme verurteiltwurden — und kann „och bis auf den heutigen Tag die Mähre von jede», Führerdort hören. Dieser nimmt sie aus sei» Wort, nnd die »leisten Geführten finden garkeine» Grund, an der Sache zu zweifeln. —

Allerdings waren die Vchmgerichtc bis aus einen gewissen Grad in Dunkel undHeimlichkeit gehüllt; allerdings wirkten sie in, XIV. und XV. Jahrhundert mit beinaheunwiderstehlicher Macht und niit furchtbarer Strenge; allerdings betrachteten sie sich