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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
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209
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Die Deutschen.

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als Rächer der verletzten Religion, der verletzten Ehre und des verletzten Rechts undrächten die Verletzung immer nur niit der höchsten Strafe, dem Tode; allerdingswaren ihre Schöffen über ganz Deutschland verbreitet und übten über das ganzedeutsche Reich mit mehr Kraft, Gewalt und Ansehen Gericht, als selbst Kaiser und Reich.

Allein nie verfuhren sie inquisitorisch — sondern nach altgermanischerWeise nur auf Anklage.

Nie folterten sie; — sie kannten diese Ausgeburt der Rohheit und geistigenBefangenheit nicht und hielten sich selbst in den Zeiten von ihr frei, als sie besondersdurch italienische Einflüsse in Deutschland herrschend zu werden begann: sondern sierichteten nach altgermanischer Weise auf freier Männer Eid oder auf freies Geständnis.

Nie ließen sie Gefangene in Haft schmachten; — denn erschien derGeladene, so wurde er an demselben Tage gerichtet, und er ging entweder unschuldigerfunden frei wieder weg, oder hing als Verurteilter noch an demselben Tage aneinem Baume.

Ihre Verurteilten quälten sie nicht durch qualifizierte Todes-strafen; denn sie kannten nur eine Strafe, den Strang; und bloß gegen ihre Ge-nosse», welche die geheime Losung verrieten, schärften sie noch diese Strafe.

Nie richteten sie in Gewölben oder an anderen verborgenenOrten, nie bei Nacht; — sondern unter Gottes freiem Himmel, am hellen Tage,an den allbekannten germanischen Malstätten.

Nie hatten die Vehmgcrichte einen Sitz in Süddeutschland: —sondern Frcistiihle fanden sich bloß in Westfalen auf roter Erde, aber freilich Frei-schöffen im ganzen deutschen Reiche.

Nie machten sie ein eigentliches Geheimnis daraus, wer Schöffe sei;denn es war eine Ehre und ein allgemein gesuchter Schutz und Schirm, Schöffe derheimlich beschlossenen Acht zu sein. (G. v. Waechter, Beiträge zur Deutschen Geschichte,insbesondere znr Geschichte des deutschen Strafrechts. Tübingen 1845 bei L. F. Fues;S. 6 ff.)

Wenden wir uns zu einem freundlicheren Thema. Es stehthistorisch fest, daß am Hofe des Landgrafen Herrmann I. von Thü-ringen (1190—1217) Walther von der Vogelweide, Wolframvon Eschenbach, Herbort von Fritzlar, Albrecht von Halberstadtund andere Sänger sich aufgehalten haben; der Sängerkriegjedoch, der 1207 stattgefunden haben soll, wie er in dem um1300 entstandenen „Kriec von Vartburg" und im Sängersaalder Wartburg selbst bildlich von Moritz von Schwind mitAnlehnung an die Wagnersche Oper dargestellt ist und dieAnwesenheit der anderen in Grimm, Deutsche Sagen, 2. Ausl.,II. S. 299 und in Richard Wagners „Tannhäuser" genanntenDichter ist ganz sagenhaft.

Im Jahre 1231 starb die heilige Elisabeth von Thü-ringen, deren Leben selbst jemand, der mit dem Gedankender „Verneinung des Willens" wohl vertraut geworden, nicht

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