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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
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213
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Die Deutschen.

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sie erlaubt und keine Stelle des neuen verbiete sie mit klarenWorten; 1. Thimotheus 3, 2 wird nur von jedem Bischofverlangt, er sei eines Weibes Mann und Matthäus 25, 10heißt es, daß der messianische König zugleich mit den fünfklugen Jungfrauen Hochzeit macht.

Auch die hübsche Erzählung, daß Walther von derVogelweide (f etwa 1230) in seinem Testamente bestimmthaben soll, daß man auf seinem Grabstein den Vögeln Weizen-körner und Trinken gebe und daß dies auch wirklich in Würz-burg im Kreuzgange des Neumünsters eine Zeit lang geschehen,ist wohl nur zu seinem Beinamen, vielleicht von einem Gut,das ihm der Kaiser geschenkt, herstammend, nachher erfundenworden.

„Ob Walther jemals in der Bischofsstadt seinen Wohnsitz genommen, ob er dagestorben ist, weiß niemand. Walther starb aller Wahrscheinlichkeit nach am Endeder zwanziger Jahre des 13. Jahrhunderts. Der Ort seiner Grabesruhewird IM Jahr später zum ersten Male bezeichnet. Ein Kapitular amStift Neumiinstcr in Wiirzbnrg ist es, welcher die erste Nachricht bringt. Michael deLeone, der angesehene Protonotar der Würzburger Bischöfe, ein gelehrter und um dieWürzburger Lokalgcschichte hochverdienter Mann hat in zwei Schriften seiner Hand,die beide bis ins Jahr 1354 reichen (er t Januar 1355) einen lateinischen Vers auf-bewahrt, der auf Walthers Grabstein im Kreuz gange des Neumünsters zu Würz-bürg einstmals eingemeißelt gestanden hätte (in sno oxitnLo soulptnm ernt). DieseGrabschrift beginnt xnsonn gut volnoiura vivne, 'Vsnltlloro tnisti also: „Walther,der du bei Lebzeiten Weide der Bögel (von der Vogelweide) gewesen bist", alsoWohl nur eine Übersetzung des Beinamens: vom Füttern der Vögel erwähnt dieGrabschrift nichts. In der andern Handschrift wird berichtet Walther wäre in den:Grashofe dcS Neumünsters begraben gewesen. Man sieht, Leone hatte zweierleiTraditionen vor sich, wußte selbst die Grabstätte nicht genau und was er darüberfand oder hörte, stimmte nicht ganz zusammen. Er sagt auch nicht: es ist einge-meißelt, sondern es war eingemeißelt; er hat also selbst den Grabstein nicht mehrgesehen. Es gab in, 14. Jahrhundert in Wiirzbnrg einen Hof zur Vogelweide; aberdiese Benennung ist häufig in Deutschland, so daß mehrere solche Höfe als WalthersGeburtsort bezeichnet worden. Erst ein Würzburger Chronist des 16. oder 17. Jahr-hunderts will wissen, daß Walther in, Garten des Ncnmiinsters unter einem Baumbestattet und daß über das Grab ein Stein mit vier Vertiefungen gelegt sei, in welchennach Walthers Testament den Vögeln Futter gestreut werden sollte: er will ferneri>n Kreuzgangc aus einem zweiten Grabsteine die schon erwähnte lateinische Inschriftgelesen haben. In Michaels Auszeichnungen war von zwei Plätzen des Grabes dieistede, aber nur von einem Denkstein; jetzt aber hat schon jedes Grab seinen Stein,aus dem einen liest man etwas von einer Vogelweide und der andere ist eine Vogel-weide. Die Sagenbildnng ist fortgeschritten. Sie hat auch die lctztwillige VerfügungWalthers geschaffen und hat sie zu jenen: lateinischen Verse folgerichtig als Kommentarhinzugefügt." (Aus einem Feuilleton der Frankfurter Zeitung, -lä. Wiirzbnrg,