222
Die Deutschen.
von Janicke in den „Chroniken der deutschen Städte", VII.S. 90) soll 1021 in Kölbigk in Anhalt ein solcher Tanz umWeihnachten (also zur Wintersonnenwende) begonnen undein ganzes Jahr lang gedauert haben. Der Calvarienbergexistiert jetzt bei Hameln nicht mehr; als er noch existierteist er jedenfalls das Endziel der Prozessionen gewesen, woherer denn auch gewissermaßen selbstverständlich als Endziel derTanzprozession angenommen wurde. Wahrscheinlich haben dieSpielmannssage und die Rattenfängersage eine Zeitlang nebeneinander im Volksmunde existiert und sind dann erst späterstereoskopisch zusammengefallen.
Den Dichter Heinrich Frauenlob (ft 1318) sollen,als er gestorben, — weil er in seinem Streitlied gegen denSchmidt Regenbogen das Wort „Frau" zu Ehren gebracht,die Frauen und Jungfrauen von Mainz in feierlichem Zugenach dem Dom getragen, ihm daselbst Wein in sein Grabgegossen und es mit Blumen bestreut haben. Alles dies istjedoch höchst wahrscheinlich Fabel. In keiner einzigen altenoder gar zeitgenössischen Chronik ist irgend etwas davon zufinden. Erst zu Anfang des 16. Jahrhunderts erscheint dieErzählung als ein Einschiebsel in der Chronik des Albert vonStraßburg (alias Matthias von Neuenburg). Übrigens trugHeinrich von Meißen auch den Namen „Frauenlob" nichtvon einem zu Ehren der heiligen Jungfrau oder der Frauenüberhaupt verfaßten Gedichte, wie man gewöhnlich glaubt,sondern es war sein Geschlcchtsname. Auch als Stifter derersten Meistersingerschule läßt ihn die Geschichte nicht un-angefochten stehen, vielmehr scheint er nur eine Vereinigungvon Sängern unter bestimmten Formen gegründet zu haben.(Vergl. Hennes: Die Erzbischöfe von Mainz; Mainz 1879.)Daß das Begräbnis auf seinem Denkstein in Straßburg dar-gestellt ist, ist gleichfalls Fabel, denn es existiert daselbst garkein solcher.
Man zeigt noch des „Teilen Platte,, am Ufer des Sees,