Buch 
Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
Entstehung
Seite
226
JPEG-Download
 

226

Die Deutschen.

mit Weib und Kind einer Hungersnot wegen die Heimat ver-lassen, sich nach den damals noch unbewohnten Alpen durch-geschlagen, dort mit Erlaubnis des Grafen von Habsburg,dem das Land gehörte, sich niedergelassen und es nach ihrerHeimat Suetia „Suitia" genannt haben.

„Bald wurden sie als gute Krieger voll Papst und Kaiser gegen die durch einenabtrünnigen Priester verführten Römer zu Hülfe gerufen, zogen mit des GothenkönigsAlarich Heere nach Rom, eroberten die Stadt, erschlugen die Heiden und erntetenvielen Ruhm. Statt des ihnen angebotenen Soldes verlangte» sie, in ihrem Landesteuerfrei und einzig dem Kaiser unterworfen zu sein, und da sie zum Schutze desMaukens aufgebrochen waren, begehrten und erhielten sie ein rotes Banner mit demZeichen des Kreuzes Christi. So kehrten sie wieder heim." lRochholz, Tell undKeßler, S. 65.)

Gegen Fründ schrieb dann der Züricher Hemmerlin (äsnodilitats st, rustioitats, 1450), jenem nichts schuldig bleibend;nach ihm stammten die Schwpzer von den durch Karl demGroßen strafversetzten Sachsen. Ihren Namen trügen sie vondem Blutschweiße, den sie in fremden Kriegsdiensten geschwitzthätten und zum Zeichen dessen habe Karl ihnen die rote oderBlutfahne gegeben. Weil aber Zürich unterlag, besiegte auchdie Fründsche Legende die Hemmerlinsche und ging selbst indas Staatsrecht einzelner Kantone über. Der Gesandte GustavAdolfs bezog sich später auf diese Erdichtung, als er dieSchweizer aufforderte, mit Schweden gegen Österreich vorzu-gehen ; Johannes von Müller hat auch diese Legende, ebensowie die vom Tell, in seine Geschichte aufgenommen, ohne daßes ihm selbst damit ernst war.

Eine andere Pfeilsage knüpft sich an die Schlacht beiMorgarten (15. Nov. 1315). Ein Pfeil, von Heinrichvon Hünenberg abgeschossen, fliegt vom Ufer des Zugerseesüber den Turm und die Letzimaucr des Dorfes Arth undmeldet den dahinter aufgestellten Schwyzertruppen, daß deranrückende Herzog Leopold nicht hier, sondern bei Morgartenins Land einbrechen würde. Hünenbergs Pfeil soll seit 1740im Landesarchiv zu Schwyz aufbewahrt gewesen und nachmalswährend der französischen Landesbesetzung verloren gegangen