Buch 
Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
Entstehung
Seite
232
JPEG-Download
 

232

Die Deutschen.

seien und 1281 am „Chindel Tag" (d. i. am Tage der un-schuldigen Kindlein) das Kloster gestiftet hätten.

Der Beiname des KönigsWaldemar„Atterdag"(1340—1375) wird verschieden erklärt; nach den einen soller ihn erhalten haben, weil er es liebte, unangenehme Ange-legenheiten auf den „nächsten Tag" zu verschieben, nach an-dern, weil er seinem Volke einen „neuen Tag", durch Wieder-erwerbung verlorener Provinzen und Wiederherstellung derOrdnung, gebracht habe. Wir wollen dies auf sich beruhenlassen. Im März 1368 sandten die Hansestädte ihm einenAbsagebrief, was wir heute Kriegserklärung nennen würden.Es sollen ihrer sieben und siebenzig gewesen sein und derKönig soll geäußert haben:

Sevc» und scvcntig Henk —

Scveu und Scvcntig Gcnsc.

Bictc» mi »ich dc Gcnse

Frag' ich eu Sch . . . nach de Hense.

Diese Antwort ist aber unerwiesen. (Lohmeyer, Geschichtevon Ost- und Westpreußcn, 2. Aufl. 1881, Teil I. S. 241.)

Die Erzählung der Heldenthat des Arnold von Winkel-ried in der Schlacht bei Sempach (1386) lautet bekannt-lich dahin, daß er, als die Ritter in Reih und Glied gegendie Schweizer andrängen, mit den Worten: „Kommt Kinder,ich will euch eine Gasse öffnen", eine ganze Mengevon den Rittern entgegengehaltenen Lanzen mit seinen Armenumfaßt und sie sich in die Brust drückt. Dadurch entsteht eineLücke in dem Lanzenwall, in welche die Schweizer eindringenund infolgedessen den Sieg gewinnen. Daß das geflügelteWort »»historisch ist, steht schon bei Büchmann; aber auch dasBravourstück kann man mit ziemlicher Sicherheit als erfundenansehen. Ottokar Lorenz in seiner Abhandlung „Leopold III.und die Schweizerbünde", Wien 1860, bestritt die entscheidendeBeteiligung Winkelricds an der Schlacht; als hierauf Rauchen-stein in einem Programm (Aarau 1861) widersprach, erschien