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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
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Die Deutschen.

„Zur Herstellung der Typen ist bekanntlich der Stempelschneider die wichtigstePerson. Er arbeitet nach einer gezeichneten Vorlage die Buchstaben verkehrt und er-haben in Stahl aus. Dieser Stahlstempel heißt Patrize. Die Matrize wird in einÄupferstäbchen eingeschlagen, das dann den Buchstaben recht und vertieft zeigt. Soentsteht die Matrize, welche die Form für den zu gießenden Buchstaben bildet. Zudiesem Zwecke wird die Matrize am Grunde des Meßwerkzeugs eingelegt. Die Ver-vielfältigung der Typen durch den Guß kaun dann vor sich geben.

Dieser Apparat bildet die Substanz und Erfindung der Typographie." (Antoniusvon der Linde; Gutenberg; Geschichte und Erdichtung aus den Quellen nachgewiesen:Stuttgart 1878, S. 16.)

„Auf dem grundstürzenden Irrtum der Identifizierung beweglicher Buchstaben über-haupt mit der Typographie sind fast sämtliche „Geschichten der Erfindung der Buchdrucker-kunst basiert". (von der Linde a. a. O. S. 121)... Keine historische Thatsache ist besser ver-bürgt als die, daß Gutenberg nichts mit der Xylographie zu thun gehabt hat. Und dochspuken in allen Büchern über Erfindung der Typographie die beiden BriefdruckerJohann Gutenberg und Johann First, die aber zuerst von allen Bücher von .Holztafelnabgedruckt haben sollten. Der Briefdrucker Gntenberg aber ist ein Hirngespinst; dieHerren haben ihn aus ihren Fingern gesogen, aus der unerschöpflichen Vorratskammerihrer Phantasie hervorgeholt. Diese Ausgeburt gedankenloser Büchermacher soll nunaber ferner auf den genialen (d. h. erz-stümperhaftcn) Einfall geraten sein, seineHolzplatten zu zersägen, um mittelst der so gewonnenen, beweglichen hölzernen (!)Lettern zu drucken (!)".

Im Jahre 1455 ereignete sich der bekannte sächsischePrinzen raub durch Kunz von Kauffungen. Es knüpft sichhieran die Anekdote, daß der Befreier der jugendlichen Prinzen,der Köhler Schmidt

„dem Kurfürsten und dem ganzen Hofgesinde immer und immer wieder habe er-zählen müssen, wie bei der Befreiung der Prinzen alles sich zugetragen, Und da erdabei stets die Äußerung gethan, daß er Kunz von Kauffungen mit seinem Schürbaumweidlich .gctriUU habe, so wäre ihm, wie Johannes BulpiuS berichtet, von den Höf-lingen, wie aber spätere, z, B, Gallctti in seiner Geschichte Thüringens, 1784, zumelden wissen, unmittelbar vom Kurfürsten der Name „Triller" beigelegt wordenund dieser hätte mit der Zeit den eigentlichen Familiennamen, Schmidt, ganz ver-drängt , , Es findet sich aber, daß die ganze Litteratur über den Prinzenranb unddie Familie Triller bis znm Jahre 1SW, in welchem PnlpinS sein Buch „Altenburgsansehnliche Hoheit" herausgab, von der angeblichen Äußerung des Köhlers nichts,gar nichts enthält. Erst in dem gcnanntcn Buche, also fast zwei und ein halbJahrhundert nach dein Prinzcnranbc wird sie aufgetischt und zwar ohne daßirgend welche Quelle dabei genannt würde," (Ernst Koch, Trillcrsagcn, Meiningcn18S4, Teil I,, S, 40 n, 41,)

Über die sehr abenteuerliche Legende vom Bruder Klausvon Flüe haben wir eine Monographie von Rochholz (Aarau1875). Am 16, Oktober 1467 nahm Klaus, ein Fünfziger,Abschied von Vater und Bruder, von seinem Weibe und zehnKindern, von denen das jüngste 14 Wochen alt war. DieLegende erzählt nun, daß ihn auf der Suche nach einem passen-