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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
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243
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Die Deutschen.

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Die Redensart: „Doa danzt Bornholm hen" be-zieht sich auf eine Sage, die, anknüpfend an die Thatsache,daß Lübeck den ihm 1525 von Dänemark übertragenenPfandbesitz der Insel Bornholm einundfünfzig Jahre späterwieder abtreten mußte, wie folgt erzählt wird:

„Ein eitler Lübecker Bürgermeister, Johann Wittenborg, geizte, währender als Gesandter in Kopenhagen weilte, nach der Ehre, mit der Künigin tanzen zudürfen und erreichte dies gegen die Verpflichtung, ini Namen Lübecks Bornholm anDänemark zurückzugeben. Die Lübecker aber ließen ihn diesen Verrat mit dem Todebüßen und fügten zugleich ihrem RatSfilberzeuge einen Becher mit der Inschrift hinzu:„Doa danzt Bornholm hen", aus welchen: dann alljährlich bei offener Tafel dieBürgermeister, ihnen selbst zur Warnung, trinken mußten.

Aus der hansischen Geschichte wissen wir freilich, daß Wittenborg schon fastzwei Jahrhunderte früher als Feldherr des ersten unglücklichen Krieges gegenWaldemar Attcrdag hingerichtet wurde; es wird die Sage daher unberechtigt denTod dieses unglücklichen Mannes mit der weiteren, ihr entstellt überlieferten Thatsacheverbunden haben, daß Lübeck Ratssilbergeschirr besaß, welches mit dem Pfandbesitzvon Bornholm, aber wiederum in ganz anderer Weise, in Beziehung stand. 1 SS 8nämlich hatten die Lübecker einen auf Bornholm gegen ihre Herrschaft ausgebrochenenAusstand unterdrückt und mit schwerer Geldbuße geahndet. Aus dem Ertrage derletzteren hatte der Bürgermeister Jochim Werken das Silberzeug anfertigen lassen,von dessen uns erhaltenen Inschriften die eine lautete:

Bornholm heft mi ghegcvenLübeck der guben stadt;

Wer trw bestcndig blevenHeddet ncn uoct gehad.

Dieses Silberzeug überreichte Jochim Gerken 1S10 einem ehrbaren sitzendenRate, damit derselbe solche Kleinodien hinfort der Stadt zn Ehren gebrauche, sowieauch zu ewigem Gedächtnis daran, daß die von Lübeck das Land Bornholm in Besitzgehabt haben, annoch besitzen und darüber die Herrschaft führen." lNational-Zeitungvon: 12. August 1881.)

Über Philippine Weiser, die Augsburger Patriciers-tochter, Gemahlin des Erzherzogs Ferdinand von Österreich,hat sich durch Thuanus und nach ihm durch Köhler, in dessen„historischen Münzbelustigungen" eine der Wahrheit durchauswidersprechende Tradition gebildet. Zunächst war sie nichtdie Tochter des ungeheuer reichen Bartholomäus Weiser,sondern des nur mäßig wohlhabenden Franz Weiser; geborenwurde sie 1527, war demnach zwei Jahre älter als ihr Ge-mahl (geb. 14. Juni 1529). Das in allen Reise-Handbüchernals ihr Geburtshaus bezeichnete Haus am ehemaligen Rinder-markt, späteren Heumarkt, jetzt Philippine-Welserstraße ge-

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