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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
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253
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Die Deutschen.

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durch deren Heldentod in der Schlacht bei Wimpffen (6. Mai1622) Markgraf Georg Friedrich von Baden der Gefangen-nehmung durch Tilly entgangen sein soll. Wir entnehmenfolgende Angaben darüber einem interessanten Aufsätze in der„Gartenlaube" von 1873 Nr. 13:

„166 Jahre nach der Schlacht erschien eine Schrift von Ernst Ludwig Dcimling,welche obige Erzählung enthält, mit der Bemerkung, sie sei bis dahin nur Familien-erzählung gewesen! er habe sie von seinem Vater, dieser wiederum von dem sesnigenund dieser — also E. L. DeimlingS Großvater — von seiner Großmutter erhalten,die der Schlacht angewohnt habe und die Tochter des Stadtpsarrers von Mark-gröningcn Namens Faber gewesen sei. Die Erzählung machte Glück und bald er-schienen die 466 Pforzhcimer auf der Bühne. Von jetzt an wurde ihreThat verherrlicht und durch Zuthaten bereichert, so in der Pforzhcimer Chronik vonGehres, der, ohne eine Quelle zu nennen, alles in der Schlacht die Flucht ergreifenläßt, nur die Pforzheimer nicht. — Ernst Münch in seiner Erinnerung an die Schlachtschreibt:

„4vo Bürger aus Pforzheim, welche die Leibwache des Markgrafen bildeten,umschlossen die gefährdete Person des geliebten Fürsten eng und fest wie eine Mauer,bis er sich in Sicherheit befand; darauf starben sie alle, Tillys Gnade verschmähendden ehrenvollsten Tod, welchen Helden gestorben sind."

An dieser letzten Erzählung steht man deutlich, wie das Unkraut rasch wächst.Der überschwengliche Verfasser vergißt, wie der Markgraf aus der ihn eng umschließendenMauer hätte herauskommen sollen, denn wäre er darin geblieben, so hätte er mit denandern erschlagen werden müssen. Später verfaßte der früher viel gelesene A. v. Trom-litz eine „geschichtliche" Erzählung „Die Vierhundert von Pforzheim". Bei Gelegen-heit der zweihundertstcn Wiederkehr des Jahrestages der Schlacht fing man zuerstan in den Archiven dem wirklichen Thatbestand nachzuspüren. Der älteste gleichzeitigeBericht über die Schlacht ist das Schreiben des Sekretärs Abel, datiert Durlach den8. Mai 1622 an den nürnbergischen Stadtoberst von Leubelfingen, „wie es in derWimpfcner Schlacht hergegangen". Über die Pforzhcimer steht darin kein Wort.Sodann existiert ein Bericht des Markgrafen selbst vom 13. Mai; auch er erwähntder Heldenthat der 460 Pforzhcimer nicht, was kaum denkbar ist, wenn sie wirklich ge-schehen wäre. Weitere Untersuchungen haben ergeben, 1) daß Berthold Deimling 1622gar nicht Bürgermeister in Pforzheim war, 2) daß die 400 Pforzheimer weder dieGarde, noch das „weiße Regiment" bildeten, von dem ein ungenannter Augenzeugeder Schlacht erzählt, es hätte sich gewehrt „bis auf den letzten Mann", wovon jedochdie beiden andern oben angeführten Berichte nichts erwähnen, 3) daß der Kommandeurdes „weißen Regiments" ein Oberst von Helmstädt war und 4) daß die 460 Pforz-deimer nicht alle in der Schlacht gestorben sind. Berthold Deimling ist auch nichtaus dem Schlachtfeld! geblieben, da laut den Taufbüchern der Stadt ihm am

19. November 1622, 24. November 1627, 1. April 162g, 86. August 1631 und

20. Februar 163S Kinder geboren worden sind, während er selbst 1635 an der Pestverstorben ist. Ferner zeigen die Geburtslisten der Stadt keinen Rückgang der Ge-burten in den nächstfolgenden Jahren, was bei einer fo kleinen Stadt nach einemVerlust von 400 waffenfähigen Bürgern höchst unwahrscheinlich wäre."

Zu vergleichen wären noch: David Coste in v. Sybelshistorischer Zeitschrift, Band 32, S. 23—48 und vr. Mor.