Buch 
Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
Entstehung
Seite
255
JPEG-Download
 

Die Deutschen.

255

Andere weniger schlimme Anschuldigungen übergehen wir; sieerklären sich meistenteils alle daraus, das man das gespannteVerhältnis zwischen Preußen und Österreich seit dem Re-gierungsantritt Friedrichs II. (1740) auf die frühere Zeit ganzunberechtigter Weise übertrug (Cosmar, a. a. O. S. 240 ff.und Beilage 5). Auch daß der große Kurfürst den Grafenhabe heimlich enthaupten lassen, ist eine Fabel (a. a. O.Beilage 11). — Vergl. Publikationen aus den preußischenStaatsarchiven 54. u. 55. Band von Dr. Otto Meinardus;Leipzig 1893.

Dem General Tilly ist bei der Einnahme Magde-burgs (Mai 1631) ein sehr boshafter Ausspruch in denMund gelegt und durch Schiller sehr populär geworden. Alsihn einige Offiziere aufforderten, der Plünderung und Zer-störung Einhalt zu thun, soll er geantwortet haben: „Kommtin einer Stunde wieder, ich will mich eines weiteren besinnen.Der Soldat muß etwas haben für seine Arbeiten und Ge-fahren." Es lag garnicht in Tillys Interesse, die Stadt zuzerstören; er hat Tränen vergossen, als er durch die mitLeichen bedeckten Straßen ritt, Brot an die hungernden Men-schen austeilen lassen und die gefangenen Soldaten ausge-schalten, daß sie die Stadt so schlecht verteidigt hätten. DieEntstehung der Anekdote findet man in der interessanten Schrift:„Hei sing, Magdeburg nicht durch Tilly zerstört". Berlin1854. Danach ist Schillers (eines Dichters) Geschichte desdreißigjährigen Krieges zur Belehrung überhaupt nicht ge-eignet, um so weniger, als Schiller das Werk zuerst in dem„historischen Kalender für Damen" veröffentlichte, welchenGöschen herausgab, speziell 1791, 92 u. 93. Schiller selbsthat sich über seine Geschichtschreibung sehr offen in einemBriefe vom 10. Dezember 1788 an Karoline von Wolzogenwie folgt, ausgesprochen:

„Die Geschichte ist nur ein Magazin für meine Phantasie, und dieGegenstände müssen sich gefallen lassen, was sie unter meinen Händen werden; ichkerbe stets eine schlechte Quellefür einen künftigen Geschichtsforscher