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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
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Die Deutschen.

„Als c»n 15. August 1655 der Kurfürst Friedrich III. der feierlichen Grund-steinlegung zur Parochialkirche in der Klosterkirche beiwohnte, drängte am Schlüsseder Ceremonie sich ei» Jüngling durch die Versammlung und überreichte knieend demKurfürsten ein Schriftstück. Dieser winkte ihm, er solle ihm unter das Zelt folgen,und hier erzählte der Fremdling, ein Goldschmied Namens Behrich, wie ihn, imTraun,e der Auftrag geworden, eine silberne Königskrone anzufertigen, und sie amTage der kirchlichen Grundsteinlegung den, Kurfürsten au den. Orte zu überreichen,wo einst dessen Ahn (Friedrich I. von Hohcnzollcrn) die Huldigung der Mark im„hohen Hause" empfangen. Obwohl nur arm, habe er doch gethan, wie der Traumihm geboten. Und mit dem Hinznfügen, das, dieses sein geringes Werk wie die Traum-verheißung ebenfalls lautete, mit in den Grund gesenkt werden möge, überreichte erdem Kurfürsten eine kleine, silberne Krone. Friedrich III., eingedenk der Prophe-zeiung am Tage seiner Tansc, das, er dereinst die Königskrone tragen werde, blicktenachdenklich auf die ihm dargereichte Krone hin und brach dann in die Worte aus,,E8 ist Gottes Wille und ein Geheimnis vor der Welt"*), die Kroneaber wurde mit in den Grundstein gelegt. — Bcyrich empfing darauf von dem Kur-fürsten die erforderlichen Geldmittel, um sich eine eigene Werkstatt einzurichten. Alsdann sechs Jahre später Friedrich der Dritte als König Friedrich der Erste in Berlineinzog, erinnerte er sich jener Begebenheit bei der Grundsteinlegung und sandte demMeister Bcyrich ein Gastmahl in sein Haus, damit auch er sich erfreue an der Königs-krone. Wieder sechSzchn Jahre später (wie zuerst 1881 Cosmar berichtet in seinen„Sagen und Miscellen aus Berlins Vorzeit") besuchte Friedrich Wilhelm I. den streb-samen Meister und bestellte bei ihm ein goldenes Service, zu dessen Anfertigung daserforderliche Metall aus der Schatzkammer geliefert wurde. Der glückliche Goldschmiedbegab sich sofort an die Arbeit und öfter besuchte ihn der König, um sich von demFortgang des unter den Händen des Künstlers sich gestaltenden Werkes zu überzeugen.Als das Service vollendet war, bemerkte der hohe Auftraggeber unter anderen Ver-zierungen auf einer der Schüsseln einen zur abscheulichen Fratze gestalteten weiblichenKops. Aus Befragen erzählte der Meister, wie in dem gegenüber gelegenen Hauseein anderer, reicher Goldschmied wohne, dessen Frau und Töchter, aus Ärger über dasunverhofstc Glück ihres Nachbarn, ihm die sonderbarsten Grimassen und Fratzen vondem Fenster ihrer Wohnung auS geschnitten. Da habe er es denn nicht unterlassenkönnen, »eben den Arabeske» eine dieser Fratze» nachzubilden. Um den strebsamenFleis, zu belohnen, dein hansischen Neid aber die ihm gebührende Strafe zu erteilen,liest der Monarch das armselige Haus uiedcrrcistcn und ein stattlicheres sür seinennunmehrigen Hofgoldschmied errichten. Inmitten der Front aber, zwischen demzweiten und dritten Stockwerk, bcsahl der königl. Baumeister die Anbringung jenesZerrbildes, dein die Berliner alsbald den Namen „der Neidkvpf" beilegten. DieseBenennung hat das Haus ins Volks»,linde bis aus den heutigen Tag behalten, —durch die Forschungen des Geheimen Hofrat V. Schneider, vorgetragen 1. März 1865

*) Also eine ähnliche Äußerung wie oben S. 2l!!t. Sie wird übrigens dcnigroßen Kurfürsten auch bei einer andern Gelegenheit in den Mund gelegt; zweiBrüdcr, heißt eS, waren desertiert, uns ihre sterbende Mutter noch einmal zu sehen,der Kurfürst will einen von ihnen begnadigen, sie müssen daher um ihr Leben würfeln.Da sie dreimal hintereinander jeder immer drei Sechsen warfen, zieht der Kurfürstseinen Hut ab, citiert dc» Bibelspruch und begnadigt beide,— eine Wanderanek-dote, der wir häufig begegnen, mitunter mit der Variante, das, einer der Würfelin zwei Stücke springt und so der zuletzt Würfelnde 1!) wirft. Denselben Bibelverssoll auch Elisabeth von England citiert habe», als man ihr die 'Nachricht vom Todeihrer Schwester Maria, der sie aus den Thron rief, überbrachte.