278
Die Deutschen.
nannten Markgräfin, welche 1810 deutsch in Tübingen undim selben Jahre, also zur Rheinbundszeit, in französischerSprache in Braunschweig erschienen. I. G. Dropsen, „ZurGeschichte Friedrichs I. und Friedrich Wilhelms I. von Preu-ßen", Leipzig 1870, in dem Artikel S. 33—96 „die Mark-gräfin von Baireuth" bemerkt S. 33 darüber:
„Die Memoiren waren schon ihrem Inhalt nach dazu angethan, die vielen Feindeund die wenigen Freunde des niedergeworfenen Staates Friedrichs des Großen leb-haft zu beschäftigen, Sie entrollten ein wahrhaft erschreckendes Bild von den früherenZuständen dieses Hofes, und zwar in höchst anziehender und lebendiger Schilderung,mit einer Beglaubigung, wie sie besser nicht denkbar war , . . Wieder-holte Auflagen in und außer Deutschland gaben diesen Memoiren eine große Ver-breitung; ihre Darstellung bestimmte die allgemeine Meinung über das preußischeWesen, dessen eigentlicher Wert und Gehalt seit der Schlacht bei Jena offenbar ge-worden zu sei» schien, ES gingen diese Enthüllungen über FriedrichWilhelm I, und die Ansänge Friedrichs tl, in die konventionelle Uns-sassnng der Geschichte über; auch den Kundigen galten sie dafür, vongroßem historischen Wert zu sein , , , ,"
Fragen wir nun nach der Echtheit und der Glaubwürdig-keit der Memoiren; das Ergebnis ist: die Memoiren sindecht, wie schon Pertz 1850 in einer akademischen Abhandlunggezeigt hatte; und es existieren noch verschiedene von derMarkgräfin eigenhändig verfertigte, aber von einander zumTeil abweichende Abschriften davon; jedoch die Glaubwürdig-keit ist durch Dropsens Arbeit vollständig erschüttert worden.Zum Teil lesen sich die Memoiren wie die eines Backfisches,
„Die Frage ihrer Verheiratung bleibt für die Markgräfin in dem erstenTeil ihrer Memoiren der Mittelpunkt; der Hos ihres Vaters, die Politik Preußens,die ganze Entwickelung der Wcltverhältnisse dreht sich für sie umdie Frage, ob sie den Prinzen Friedrich (von Wales) heiraten wird,und um die Folgen, die eS hat, daß es nicht geschieht," Dropsen a, a. O,; S, 87,
Auch viele andere Prinzen wollen sie heiraten; sogarAugust II., König von Polen, der seit 25. September 1727„Witwer" war; es wird aber nie etwas daraus; dabei flun-kert sie jedoch in erschrecklicher Weise, was jedesmal zu Tagetritt, wenn man ihre Erzählung durch gleichzeitige Urkundenkontrollieren kann. Die zu verschiedenen Zeiten gemachtenAbschriften zeigen, daß die Markgräfin immer verbitterter undgrämlicher geworden ist.