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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
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Die Deutschen.

„Knie er sich näher und lege er seine Schriften mir auf denSchoß." Sonnenfels wäre dieser Aufforderung nachgekommenund seine Rede hätte sich „wie ein Feuerstrom" ergossen. AmSchlüsse derselben hätte die Kaiserin geweint und da wäreSonnenfels, alle Hofetikette vergessend, aufgesprungen und indie Worte ausgebrochen: „Wenn Europa diese Tränen inden Augen der größten Monarchin unserer Zeit gesehen hätte,so würde es keinen Augenblick zweifeln, daß die Tortur inÖsterreich sogleich abgeschafft wird." Die Kaiserin hätte dannihre Hand auf des Redners Schulter gelegt und gesagt: „Laßer's gut sein, die Tortur wird abgeschafft." Nach WilibaldMüller: „Josef von Sonnenfels. Biographische Studie ausdem Zeitalter der Aufklärung in Österreich" ist diese bühnen-gerechte Scene aber unhistorisch. Auch verdient bemerkt zuwerden, daß Sonnenfels die Tortur gegen geständige Ver-brecher zur Erzwingung der Angabe ihrer Mitschuldigen, wozusie in entsetzlich häufiger und doch gerade so blödsinnigerWeise angewandt wurde, nicht aufgehoben zu sehen wünschte.

Friedrich soll bei der Huldigung in Breslau (7. Nov.1741), als das Reichsschwert vermißt wurde, seinen eigenensiegreichen Degen gezogen und sich dessen bei der Ceremoniebedient haben, ihn zum Kusse darreichend, wie es AdolfMenzel in einem Bilde verherrlicht hat. Die Anekdote istdie Erfindung eines sehr unzuverlässigen Memoirenschreibers,des Baron v. Bielfeld in seinen /a-m'W-'es, 2 Teile

1763 (deutsch, Breslau 1838) und widerlegt vom Provinzial-Archivar I)r. C. Grünhagen in „Friedrich der Gr. und dieBreslauer 1740—1741" Breslau 1864; 8. S. 215. Dieoffiziellen Berichte wissen nichts davon. Bielfeld (si 1770)„gab wohlweißlich seinen Memoiren die Form vertraulicherBriefe, die den Eindruck machen sollten, als seien sie wirklichzu der Zeit geschrieben, in welcher die darin erzählten Er-eignisse stattfanden". (Hamilton, Nheinsberg; deutsch vonDielitz; Berlin 1882 Teil I. S. 213.)