Buch 
Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
Entstehung
Seite
295
JPEG-Download
 

Die Deutschen.

295

„Es wird erzählt, daß sich Friedrich nach Beendigung des siebenjährigen Kriegesbald nach seiner Ankunft sin Berlin) nach Charlottenburg begeben und Musiker undSänger ebenfalls dahin bestellt habe, mit dem Befehl, das Tedeum von Graun in derSchloßkapelle aufzuführen. Auf solche Anordnung habe man dem Erscheinen desgesamten Hofes entgegengesehen. Aber der König sei ohne Begleitung in dieKapelle eingetreten und habe das Zeichen zum Anfang gegeben. Als die Singstimmenmit den Worten des Lobgesanges eintraten, habe er das Haupt in die Handgestützt und geweint."

Darstellungen dieser Scene sind häufig. Die ganze Er-zählung ist aber nur eine „unausrottbare Anekdote". AlsBelag für diese Behauptung genügt ein Hinweis auf einenBrief des Königs an seinen Bruder Heinrich (Osrrrves cieXXVI, Berlin 1856), ää. Charlotten-burg, 16. Juli (!) 1763. Der König schreibt u. a.:

„D'Alembert ist hier. Der alte Baron (Poellnitz) pilgerte herbei. Gesternhörten wir in der Kapelle das schöne Graunsche Tedeum; es waren viele Leutedort (rö ?/ crvcrr'l He nronHe)."

Der König war aber schon 30. März aus dem Kriegezurückgekehrt; doch hatten vor der erwähnten keine Musik-aufführungen stattgefunden und diese fand statt, damitd'Alembert das Graunsche Tedeum kennen lernen möchte. —Gleichfalls unhistorisch sind die Worte, die dem König beimAnblicke der Verwüstungen in Charlottenburg in denMund gelegt werden, denn es war daselbst, als er ankam,so ziemlich wieder alles in Ordnung und die Anekdote, daßder Jude Ephraim den Schaden an zerbrochenem Porzellanhabe bezahlen müssen und dafür die Scherben erhalten, istzu verwerfen.

Nach dem Kriege hat König Friedrich die Geschichtedesselben geschrieben; als das Manuskript druckfertig war,soll es durch die Unachtsamkeit eines Pagen verbrannt sein.Da hätte der König weiter nichts gesagt als „Wohl, nunschreiben wir diese Geschichte noch einmal". DieseAngabe wird durch die Dissertation von Th. Vilmar „Überdie Quellen der cke« cms Friedrichs des Großen,

Kassel 1888, in das Reich der Fabeln verwiesen.

Beim englischen Gesandten Sir Hugh Elliot soll sich