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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
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Die Deutschen.

ling u. s. w.; Stendal 1806, S. 19.) Der grundehrlicheGustav Schwab, der auf diesen Schwindel angebissen hat,macht in seiner Biographie des Dichters dazu die Bemerkung

„Ist es nicht, als hätte Schiller sich schon am frühen Lebensmorgen in, Arsenalder Schöpfung umsehen wollen, um dereinst von ihr jene Flammenblitze zu entlehnen,mit welchen er ini Reiche der Geister die lang entweihte Bühne, und von der Bühneaus die Welt der Freiheit und Sittlichkeit zu reinigen unternahm?"

Ohne Zweifel ist es so; schade nur, daß die ganze Anek-dote erfunden ist. Auch Bulwer (Lord Lytton) in der, seinerÜbersetzung der Gedichte Schillers vorgedruckten Biographie,bringt dieses Histörchen. Die Entstehung dieser und ähnlicherLügengeschichten, welche fast alle bedeutenden BiographenSchillers, Palleske, Düntzer und Weltlich ausgeschlossen, auf-genommen haben, ist dargelegt inBoas: „Schillers Jugend-jahre" (Hannover 1856) in der Einleitung* **) ). Sie stammenaus den Lügenbüchern eines Oemler. Beim Schreiben seinerWerke in der Nacht soll Schiller Rheinwein oder Champagneraus Pokalen getrunken oder auch starken Kaffee oder Wein-chokolade zu sich genommen haben. (Anonym; (faktisch Oemler)Schiller oder Scenen und Charakterzüge aus seinem späterenLeben; Stendal 1805, S. 68); daß er dabei die Füße inkaltes Wasser gestellt, muß noch eine andere Quelle haben-

„Eine» ltram unwahrer und absurder Nachrichten brachten I. G. Gruber^Ound K. W. Oemler in Umlauf, unter dem frechen Anspruch, den Dichter zu ehren-Man hatt es kaum für möglich, wie lange Zeit und in wie weite Schichten hineindiese Fälschungen nachwirkten. Oemler hatte eine Reihe von Anekdoten aus derKindheit des Dichters erfunden, er fabrizierte Tagebücher und Briefe von Schiller,darunter die Briefe von „Karl" Moser; sie trugen das Gepräge der Geziertheit undUnkindlichkeit auf der Stirne, aber Hoffmeister und Gustav Schwab verwertetenihrer Biographie dieses Material." (Weltrich; Friedrich Schiller. Geschichte seinesLebens und Charakteristik seiner Werke u. s. w.; Stuttgart 1885.)

Hegels letztes Wort (ch 1831) soll gewesen sein: „Vonallen meinen Schülern hat mich nur einer verstanden"mit dem Zusätze: „und der hat mich falsch verstanden"; f§ähnlich erzählt es auch Heine „Zur Geschichte der Religionund Philosophie", Buch III; man bezog es gewöhnlich «uf

*) Eduard Boas, 18. Jan. 1815 bis 2». Juni 1853.

**) „Friedrich Schiller. Skizze einer Biographie u. s. w. Leipzig 1805.