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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
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Die Franzosen.

diese Anekdote ist sehr unwahrscheinlich, indem die bestenQuellen davon schweigen. Wieder einmal ein falsches Worteines Sterbenden. — Das Richelieu zugeschriebene Wort:„man gebe mir sechs Zeilen von der Hand des ehrlichstenMenschen und ich will genug darin finden ihn hängen zulassen", ist gleichfalls »»historisch. (Fournier S. 260.) AlsZusatz wird noch manchmal erzählt, jemand hätte die Be-'hauptung: „eins und zwei sind drei" als ganz unverfänglichhingestellt, Richelieu aber sie als eine Ketzerei gegen dasDogma von der Dreieinigkeit bezeichnet. (!)

Der sterbende Richelieu soll seinen Beichtvater aufdessen Mahnung seinen Feinden zu vergeben, geantwortethaben, er hätte keine Feinde gehabt, es seien denndie des Staates. (-/« crr .-Kmar.? er«

66AL cf« Wenn dieses Wort gesprochen worden,

erhält es eine grobe Unwahrheit. Richelieu hat namentlichdiejenigen, welche seine litterarischen Leistungen verspottet hattenoder die er deswegen in Verdacht hatte, mit teuflischer Rach-sucht verfolgt. Hans Blum im neuen Pitaval giebt davonein geradezu scheußliches Beispiel. — Ein hübsches Seiten-stück ist die vielleicht auch erfundene Antwort des im Sterbenliegenden spanischen Marschalls Narvaez auf die Aufforderungseines Beichtvaters, seinen Feinden zu verzeihen: „das hättegar keinen Zweck; dieselben wären sämtlich tot!"

Welches ist das charakteristische Motto der RegierungszeitLudwigs XIV. ? Natürlich: -rrm". Ludwig hat

dieses Wort jedoch wahrscheinlich nie gesagt. Wie die meistencharakteristischen, typischen Anekdoten, ist auch diese unhistorisch,aber die betreffende Scene ein Lieblingsvorwurf der Maler.Kein gleichzeitiger Schriftsteller weiß jedoch etwas davon. —Voltaire schildert den betreffenden Vorfall in seinem

jedoch nicht an der richtigen Stelle, sondernnachträglich, Kapitel XXV, welches schon die Überschriftführt «Meckern"; einen Gewährsmann giebt