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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
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415
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Die Italiener, die Spanier, die Schweden rc.

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und da er das Mädchen belauscht habe, wie sie an einem im Gartenspringenden Wasser die Füße gebadet, sei er von so heftiger Liebe ergriffenworden, daß er nicht eher Ruhe erlangt, bis er sie die Seine habe nennen dürfen.Nachdem er ihr nun sein Herz geschenkt, habe er sie weit liebenswürdiger und vonedlerem Gemüt befunden, als ihrem Stande nach zu erwarten gewesen, so daß dasFeuer seiner Liebe immer mächtiger geworden, und er nicht mehr ohne sie habe lebenmögen. — So schön nun auch diese Erzählung lauten mag, die selbst durch einBildchen unterstützt wurde, welches dem Sebastiano del Piombo (1485—1547)zugeschrieben wird, und worin Raphael dargestellt ist, wie er mit seiner Geliebtenam springenden Wasser im Garten sitzt, so haben doch neuere Forschungen dargethan,daß diese Sage als eine reine Erfindung anzusehen ist, daß selbstder Name Fornarina nicht weiter hinaufreicht als in die Mitte desverflossenen Jahrhunderts. Wir müssen uns daher mit der Angabedes Vasari begnügen, welcher mit schlichten Worten berichtet, Raphael habe einMädchen geliebt, welches bei ihm gewohnt und dem er bis zum Ende seines Lebenszugethan war."

(Als Parallele zu diesem Bilde der Fornarina führen wirdas bekannte Portrait an, welches die Gräfin Potockavorstellen soll, während es in Wirklichkeit ein Mädchen ist,das Prinz Heinrich von Preußen, Bruder Friedrichs des Großendurch den Maler Tonci in Rom darstellen ließ; sVossischeZeitung: Januar 1885s).

Auch über Antonio Allegri, genannt Correggio (1494—1534) wissen wir sehr wenig. „In kaum einer seinerBiographieen zeigt sich Vasari so oberflächlich unterrichtet, soins Blaue urteilend und von Hörensagen erfüllt, als in derdes Antonio Allegri." Es ist nicht nachweisbar, daß er 1517oder 1518 vor einem Bilde Raphaels, der heiligen Cäcilie,damals in Bologna aufgestellt, tief ergriffen ausgerufen habe„cr-re/r'ro so-r M'Koi-o"; allein er hätte mit Hinsicht auf dieEigenartigkeit seiner Kunst den Ausruf sich sehr wohl ge-statten können. Ebenso ist seine Armut übertrieben worden,vielleicht in Berücksichtigung, daß er für das weltberühmteBild „die Nacht", jetzt in der Dresdener Gallerie, nur etwa420 Mark heutigen Geldes erhalten. Als Schlußeffekt soller dann an sechszig Scudi, die er in Parma in Kupfer-münzen ausgezahlt erhalten, sich auf dem Heimwege fast zuTode geschleppt, zu kaltes Wasser getrunken haben und darangestorben sein.