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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
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449
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Schluß.

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demonstrativer Weise an die Nachwelt; sie sind auch wie füruns zurecht gemacht und schmeicheln deshalb der mensch-lichen Eitelkeit; sie funkeln so stark, weil sie schon teilweisegeschliffen sind; sie sind wesentlich durchsichtig, während daswirklich sich ereignende wesentlich undurchsichtig ist; wir glau-ben, wir verstehen die Wirklichkeit, während es nur ein er-sonnenes Märchen ist, das wir begreifen; aber gerade das ge-machte, ersonnene unterscheidet die „Poesie" (im weitestenSinne) von der Geschichte; das wirklich geschehende, welchesman erfragen, erforschen kann — besehen, erkunden,

erfahren, erzählen) ist nicht poetisch. Das gedichtete istauch meistenteils erdichtet. Daher bemerkt Schopenhauermit Recht: „ein Dichter ist man nicht ohne einengewissen Hang zur Verstellung und Falschheit(Nachlaß S. 295), und Goethe sagte zu Eckermann (15. Oktober1825) mit Beziehung auf die Bestreitung der Erzählungenvon der Lucretia und dem Mucius Scaevola: „. . . wenndie Römer groß genug waren so etwas zu erdichten, so solltenwir wenigstens groß genug sein, daran zu glauben" — ja,wenn es die Größe der Römer gewesen wäre, die diese Anek-dote hervorgerufen, aber es war die liebe Eitelkeit und nichtsweiter; aber eben darum machen die Treppenwitze der Welt-geschichte, wenn sie gut sind, auf uns den Eindruck einesKunstwerks, sie befriedigen; selbst wenn sie die Karikatur schonzu berühren scheinen, muten sie uns an, so wie eine Photo-graphie mit einem gewissen Ausdruck der Selbstironisierungimmer besser gefällt als eine ganz ernste. Dagegen kann diewirkliche, ernste Geschichte, die eine Wissenschaft, aber keineKunst sein soll, nie befriedigen, weil das die Natur ihresThemas, des Menschen, nicht zuläßt und es der Wissenschaftüberhaupt nicht möglich ist. Eben deshalb aber, weil dieseTreppenwitze immer schon eine Leidenschaft, eine Tendenz, eineNeigung so abgelöst hinstellen und gewissermaßen destilliertvorzeigen, wie es in der Wirklichkeit nie vorkommt, üben sieTrcprenwitz. 29