Buch 
Die Bereitung und Verarbeitung des Stahls : ein unentbehrliches Handbuch für Eisen- und Stahlbeiter jedes Faches / nach dem englischen Werke des Ingenieurs Overmann deutsch bearbeitet von Carl Hartmann
Entstehung
Seite
19
JPEG-Download
 

19

der Stabeifenbereitnng unmittelbar ergreifen können, oder dasEisen muß im fast gefrischten Zustande noch einmal vor der Formund vor dem Windstrom niederschmelzen.

Wesentlich verschieden von dieser Schmclzstahlbereitnng ausrohschmelzendem Roheisen ist das Verfahren, welches bei gaar-schmelzendem, weißem, seines Kohlegehaltes großentheils schonberaubtem Roheisen angewendet wird. Dieß Roheisen gelangtim Herde nicht in den flüssigen Zustand, sondern der Uebergangin Stahl wird durch das Ccmentiren der halbgeschmolzcnen Roh-eisenmasse über dem Windstrom bewirkt, und es muß daherals ein schon fertiger Stahl auf den Boden des Herdes nieder-gehen. Zwischen der Schmclzstahlbereitnng aus solchem Roh-eisen und zwischen der Stcyer'schen Einmalschmelzarbeit, findetauch wirklich kein Unterschied statt und die Beschaffenheit des dar-gestellten Productes ist theils von dem Kohlegehalt des weißenRoheisens, theils von der Stärke des Windes abhängig, derbeim Niederschmelzen angewendet wird. Zur Stabeiscnbereitnngnimmt man Roheisen, welches schon mehr Kohle verloren hat(lnckiges Floß, gebratenes Scheibeneisen); zur Stahlbereitungtreibt man die Vorbereitung des Roheisens nicht so weit.Schmelzt man bei schwächerem Winde ein, so erhält man ausdemselben Material ein stabeisenartiges Prodnct, welches beistärkerem Winde, wegen des schnelleren Niedergchens und derdaraus entspringenden nnvollkommneren Entkohlnng guten Roh-stahl giebt. Es kommt also bei dem gaarschmelzenden Roheisennur darauf an, dasselbe so lange, als es nöthig ist, über demWindstrom zu erhalten. Bei dem rohschmelzenden Roheisen istzu gewissen Perioden ein scharfer Wind erforderlich, um dasRoheisen nicht schon halbgefrischt niedergehen zu lassen, und umdas im Herde schon niedergegangene Eisen, welches durch dieEinwirkung des LuftstromeS an der Oberfläche zur Gaare ge-langt ist, wieder in einen recht flüssigen Zustand versetzen zukönnen, damit die Kohle in der ganzen Masse des Eisens mög-lichst gleichartig vertheilt wird. Das Verdicken des im Herdeeingeschmolzenen Roheisens hat vorzüglich den Zweck, daß es bei

2 *