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Geschichte der alten Grafschaft Thurgau mit Inbegriff der Landschaften und Herrschaften Kyburg, Thurgau, Abtei und Stadt St. Gallen, Appenzell und Toggenburg von ihren ältesten Zeiten an bis zum Uebergang der Landeshoheit an die Eidgenossen
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12. Lebensweise, Körperlichkeit, Sitte und Glauben der Alamannen.

Daß das Alamannenvolk sich vorzugsweise von der Viehzuchtnährte, war eine nothwendige Folge seines unstäten Ansenthaltes undalthergebrachter Gewohnheit. Doch trieben schon die Sueben, auswelchem Urvolke die Alamannen größern Theils hervorgegangen waren,einigen Ackerbau und verwendeten Haber und Gerste zu einem bier-ähnlichen Gebräu. Auch Lein pflanzten sie, um Gewebestoff zu gewinnen.Die Jagd wurde eifrig betrieben. Sie war in Friedenszeiten besondersfür die junge Mannschaft eine treffliche Vorübung zum Kriege; sielieferte überdies wärmendes Pelzwerk und reichliches Wildpret. DieBenennung Wildpret läßt errathen, daß das durch die Jagd gewonneneFleisch nicht gesotten, sondern gebraten verspeist wurde. Einen geregeltenGetreidebau lernten die Alamannen zum Theil durch die von ihrenKriegszügen in Gallien heimgcschleppten Gesungenen kennen. Die Zahldieser Gefangenen belief sich bei einzelnen Raubzügen auf Tausende;sie wurden zwar oft um Lösegeld wieder freigegeben oder verkauft,aber, wenn das nicht geschah, für die Haus- und Feldarbeit verwendetoder als Handwerker beschäftigt. Viele lateinische Namen landwirth-schaftlicher Geräthe wurden daher auch bei den Alamannen einheimischund erbten sich, zwar in etwas entstellter Form, bei ihren Nachkommenfort bis aus den heutigen Tag.

In den fruchtbaren Geländen am Neckarflusse wurde, schon umdie Mitte des 4. Jahrhunderts, so viel Getreide gebaut, daß dieRömer, wenn sie zuweilen über die Alamannen einen Sieg gewannen,sie aber in ihre Wälder und Bergschluchten zu verfolgen fürchteten, esfür einen großen Vortheil erachteten, dieselben durch Verwüstung ihrerSaaten bestrafen oder zu Getreidelieferungen nöthigen zu können. Inden Gebirgen des Schwarzwaldes und der rauhen Alp blieb der Ackerbaufreilich auf ein geringes Maß beschränkt; aber die vom rechten Uferder Donau bis an den Rhein und Bodensee ausgebreiteten Gefildebildeten sozusagen den Uebergang zu den eben so fruchtbaren Thal-gründen Helvetiens, in denen die überschüssige alamannische Bevölkerungneue Wohnsitze gewann, ohne ihre herkömmliche Lebensweise wesentlichändern zu müssen.

Die Einrichtung der Wohnungen bildet eines der bedeutendstenKennzeichen des Kulturzustandes eines Volkes. In dieser Beziehung