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Geschichte der alten Grafschaft Thurgau mit Inbegriff der Landschaften und Herrschaften Kyburg, Thurgau, Abtei und Stadt St. Gallen, Appenzell und Toggenburg von ihren ältesten Zeiten an bis zum Uebergang der Landeshoheit an die Eidgenossen
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dieser (12171226) seinem Bruder erlaubt, am Saume des Arboner Forstesdie Burg Forst eck zu bauen, so war es allerdings fraglich, ob die AbteiSt. Gallen gegründete Anrechte an diese Gegend habe, und ob sie nicht viel-mehr zum Gebiet des Rheingaus, hiemit des Grafen von Montfort gehöre.Aber sogar die kleinere Bischofshöre, nämlich der ursprüngliche PfarrsprengelConstanz , wurde größerntheils der bischöflichen Herrschaft vorenthalten, indemnämlich die Vogtei Eggen um 1192 von dem Grafen von Heiligenberg undnachher von dem Ritter Albert von Castel verwaltet und im Jahr 1286 vonKönig Rudolf den Rittern Ulrich und Albert von Klingenberg als dem Reichezugehörige Vogtei verliehen wurde.

3. Erhebung der Abtei St. Galten ;ur Kürstenwürde.

Der Tod Heinrichs VI. legte seinem jüngsten Bruder Philipp,der zwar zum geistlichen Stande bestimmt worden und bereits die An-wartschaft auf das Bisthum Würzburg erlangt hatte, die Pflicht auf,zunächst dem Neffen Friedrich das väterliche Erbe und dann über-haupt dem Hause Hohenstaufen den Besitz des Herzogthums Schwaben zu wahren. Daß er, als einziges regimentsfähiges Glied der Familie,das Herzogthum übernahm, wurde nicht bestritten; ob er aber für sichoder auch für den Neffen Friedrich den erledigten Königsthron unddie Kaiserkrone beanspruchen solle oder dürfe, war eine Frage, worüberdie deutschen Fürsten auseinander gingen; denn viele wollten den Grund-satz, daß Deutschland ein Wahlreich sei, wieder einmal zur Geltungbringen und sich der Uebermacht des schwäbischen Herzogshauses ent-ledigen, während andere in einem solchen Vorgehen die Gefahr erblickten,daß Deutschland in den alten Parteistreit zurückfalle und die mit Mühebehauptete Herrschaft über Italien verliere.

Infolge dieser Spaltung wurde die Krone dem Herzog Berchtold V. von Zähringen angeboten, und als dieser gegen die ihm von HerzogPhilipp zugesagte Entschädigung von 11,000 Mark Silber auf dieKrone verzichtete und sich für Philipp entschied, von der gegnerischenPartei Herzog Otto von Braunschweig , das Haupt der sächsischen Linieder Grafen Wels, als König Deutschlands und künftiger Kaiser aus-gekündet; jetzt parteite sich Deutschland zwischen die zwei ReichshäupterOtto und Philipp.

Im Süden Deutschlands waren die Gewalthaber keineswegs inihrer Gesamtheit für Philipp entschieden. Einer der eifrigsten Freunde