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von Schwäche/ lind im Busen der Ausschüsse erglühte nurdesto mehr Kampflust und Rache/ alS sie an der Regierungnur ein ohnmächtiges/ leereö Phantom erblickten. Dem auf-merksamen Beobachter entgiengen schon jetzt die Vorbotenneuer Unruhen nicht; des Brennstoffes war zu viel; nur eineReibung — und Alles stand wieder in Flammen. Leider tratdiese Katastrophe sehr bald ein.
35. Neue Unruhen; die Gesandten der iv Kantone inSt. Gallen; Unterhandlungen daselbst.
Die Anarchie brach zuerst im ehemaligen Amte Ober-berg/ durch einen traurigen Vorfall veranlaßt/ aus. Zwi-schen einer Rotte der heftigsten Patrioten/ — Harten/ dieam 2Z. Mai 1797 vom Jahrmärkte zu Bischofszell nachHause kehrten/ und einigen Linden entspann sich zu Ar-negg ein hitziger Wortwechsel/ der bald in einen ungcstümmenLärm und Thätlichkeiten übergieng; man griff im wildenGetümmel sogar zu den Waffen und unglücklicher Weisewurde einer der Harren getödtet und zwei Andere ver-wundet). Man bemächtigte sich zwar bald der rasenden Horde;aber die Harten/ dadurch biö zur äußersten Wuth erbittert/beschuldigten die Linden eines meuchelmörderischen Anschla-ges auf ihr Leben und durchstreiften in starker Anzahl die benach-barten Gemeinden/ um jene zu entwaffnen. Der stille/ruhigeBürger hatte in diesen Tagen des Schreckens vieles zu leiden.
Hoch loderte jetzt die Fackel der Zwietracht; St. Gal-liens gesegneten Fluren drohte namenloses Verderben; dieGesetze schwiegen/ weil die Obrigkeiten ohne Ansehen undGewalt waren. Selbst zur Nachtzeit wurde hie und da derfriedliebende Bewohner durch das rohe Geheul herumziehen-der Haufen aufgeweckt und gezwungen/ dem von blinder
') Im I. 1798/ am 1§. März/ wurde bei Lesung dcö Mani-festes der neuen Regierung vom il. d. M./ ein Mann zu Roschachzur Nachtzeit ermordet. Es war der Bauer im Loch bei der ober»Bleiche in Roschach. Der Mörder entwich nachher aus der Haft inSt. Fiden.