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Geschichte des ehemaligen Stiftes und der Landschaft St. Gallen unter den zween letzten Fürstäbten von St. Gallen, besonders während den Jahren der helvetischen Revolution bis zur Aufhebung des Stiftes / von Franz Weidmann, gewesenem Mitglied des aufgehobenen Stiftes St. Gallen und vormaligem Bibliothekar an der kathol. Kantonal-Bibliothek in St. Gallen
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213
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vieler Jahre ein Schreiben von Ihnen/ mein lieber Bedazn empfangen. Ebenso freute es mich/ aus demselben Ihrevernünftigen Ansichten/ Ihren Eifer für die Wiederherstellungdes lieben Stiftes und das zweckmäßige Verlange»/ von derLage'der Dinge unterrichtet zu sei»/ zu ersehen. Seien sieversichert/ daß eS nie meine Absicht war/ Ihnen oder andernbewährten Mitbrüdern etwas zu verhehlen, das Sie so naheangeht; vielmehr war und ist e§ mein natürlicher Hang/ jaauch Pflicht/ derlei wichtige Gegenstände/ von denen dieRede ist/ mit meinen Brüdern abzuhandeln und zu berath,schlagen. Es wäre auch immer geschehen, wenn die vorlie-genden Umstände und die Gefahr, Ihnen Unannehmlichkei.rcn zuzuziehen, eS gestattet hätten. Ich werde nun Ihnenden Hergang und die Lage unserer Angelegenheiten so kurzals möglich vorlegen.

Schon aus Kalisch in Polen hatte ich vom russischenKaiser die schmeichelhaftesten Lobsprüche und Zusicherungenerhalten. Der österreichische Kaiser sagte mir bei seiner Ab-reise nach Böhmen zur Armee, ich sollte bei jedem Anlaß,besonders wenn eS zum Frieden komme, meine Schritte thun.Von Fürst Metternich, erstem Minister des Kaisers, erhieltich in einem sehr höflichen Schreiben die Zusicherung seinerVerwendung zur Erfüllung meiner Wünsche. In Wienwar die allgemeine Meinung für die Wiederherstellungdes Stiftes u. s. w. ?) Jedermann wünschte mir Glück undtrieb mich an, die Abreise zu beschleunigen, selbst dieStaatskanzlei nicht ausgenommen. Ich reiste demnach, ob.schon sehr unpäßlich und bei sehr scharfer Kälte, den 22.Ienner von Wien mit U. k. Columbano ab und mußte

^VedaGalluS, damals Pfarrer in PeterSzell. In mehr-fettiger Beziehung ist vorliegender Brief sehr merkwürdig undgehört unter die Aktenstücke von I 8 lst.

2) Noch am 10. April 1812 hatte der Abt aus Wien geschrieben:alle Hoffnungen, gute Geschäfte für das Stift zu machen, sindverschwunden."

Columban Ferch, gebürtig von Wyl, Kapitular vonSt. Gallen und 3 ü Jahre lang der beständige Gefährte des AbieS.