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Geschichte des ehemaligen Stiftes und der Landschaft St. Gallen unter den zween letzten Fürstäbten von St. Gallen, besonders während den Jahren der helvetischen Revolution bis zur Aufhebung des Stiftes / von Franz Weidmann, gewesenem Mitglied des aufgehobenen Stiftes St. Gallen und vormaligem Bibliothekar an der kathol. Kantonal-Bibliothek in St. Gallen
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selbst die Gutheißung erhalten hatte. Wer hatte nun glaubensollen / daß dieses Anlaß zu Mißvergnügen und einer Art vonRevolution unter den Laienbrudern geben könnte? *)

Diese, aufgebracht über die neue Läuterordnung, gabenvor, der Abt habe keine Gewalt, ihnen durch eine neueBestallung etwas vorzuschreiben, was in der alten nicht ent-halten wäre; daö Konvent esse von den Gütern der Laienbru-der und verzehre ihr Eigenthum; sei der Unterstützung undden Gütern der Laicnbrüder zu verdanken, daß daö StiftSt. Gallen nicht zu Grunde gegangen, da selbigeS in ein sogroßes Elend versunken gewesen, daß man ihm mit den Ein-künften des Brüderhauses habe zu Hülfe eilen müssen, u. s. f.

ES waren der Mißvergnügten nur vier. Einer von ihnenhatte sich nicht gescheut, öffentlich zu sagen: es sei gut, daßder König von Frankreich noch Soldaten vonnöthen habe; erwürde die Gelübde nicht abgelegt haben, wenn er gewußthätte, daß er läuten müßte. Ein anderer äußerte sich, ermöchte einen mit dem Messer, daö er in der Hand hielt, er-stechen, indem er zugleich das Messer mit Wuth auf den Bodenwarf, daß es darin stecken blieb. Eben dieser erklärte, erwolle fort, er wolle nach Rom und Diöpcnsation vom Ordenverlangen. Ein dritter erfrechte sich zu behaupten, die Her-ren im Konvente »fressen und saufe»" dasjenige, waö fürdie Brüder gestiftet worden sei, u. s. w.

Unterm 27. Jenner 1775 beschied der Fürstabt die Miß-vergnügten und auch die andern Laienbrüder in Gegenwartmehrerer Konventherren zu sich, verwies ihnen in einer kräf-tigen Strafrede ihr pflichtwidriges Benehmen, entfernte dreivon ihren Plätzen und ArbeitSboutiken und legte allen viereneine Züchtigung auf, die nach Bedaö gutem Herzen gclindausfiel. Damit hatte die Sache ein Ende.

Anmerkung. In St. Gallen wurden erst um die Mittedes i7ten Jahrhunderts die Laienbrüder als OrdenSleute in'sKloster aufgenommen. Vorher lebten sie als bloße Kirchen-diener neben dem Münster St. Gallen unter einem sogenann-

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