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18 . Note des Kapitels des Stiftes S't. Gallen,vorn Zo. März 1798, an die Regierung deralten Landschaft St. Gallen, über die Pro-testation des Fürftabtes gegen die von Seitedes Stiftes abgetretenen hoheitlichen Rechtere.
Hochlöbliche Landes-Negierung!
So drückend die Umstände unsers Stiftes sind, und sogefährlich die Aussichten für unS von Tage zu Tage zu wer-den beginnen, so glauben wir doch nicht, daß es uns alsMännern von Ehre gezieme, etwas freiwilligzu versprechen,oder wohl gar zu thun, was mit unsern Pflichten und Oblie-genheiten im Gegensatze stünde. Mit Heucheln kann einerhohen Obrigkeit eines freien Landes nicht gedient sein, undwir glauben uns vor allen unsern Mitlandlemen herabzusetzenund zu entehren, wenn wir nicht alö freie Landleute unsereGesinnungen gerade so, wie sie uns am Herzen liegen,dock mit allschuldiger Ehrerbietung gegen eine hohe Landes-regierung äußerten. Immer wird unS das Zeugniß unsersGewissens beruhigen, daß wir uns vom Unglücke nichtzu etwas verleiten ließen, waS uns vor dem ganzen ehrba-ren Publikum Vorwürfe zuziehen könnte.
Auf diese Grundsätze hin nehmen wir die Freiheit, diedurch den hochg. Hrn. Landesstatthalter *) und Hr. Land-rath Jak. Anton Egger^) von hoher Regierung wegenam 27 . oui-r. eingereichten Rote zu beantworten, und dabei,wie immer bis anhin, unsere Bereitwilligkeit zu allem, waSwir thun können, zu bezeugen. Wir setzen den wörtlichenInhalt dcS Befehls voraus und dann unsere Antwort hinzu.
1. Schon auf die erste Anzeige, daß man von Obrig-keitswegen auf das Stift den Verdacht hatte, alö wenn das Ka-pitel mit seinem Fürsten einverstanden wäre, hat man vonSeite der Kommission (des KapitelS) den 24 . curr. an einehochlöbliche Landesregierung eine Note eingegeben, darin aufstrengen Untersuch gedrungen, sich demselben, seiner Unschuld
Jos. Ant. Müller von St. Georgen.
2) Von Wiesen auf Notkersegg.
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