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Geschichte des ehemaligen Stiftes und der Landschaft St. Gallen unter den zween letzten Fürstäbten von St. Gallen, besonders während den Jahren der helvetischen Revolution bis zur Aufhebung des Stiftes / von Franz Weidmann, gewesenem Mitglied des aufgehobenen Stiftes St. Gallen und vormaligem Bibliothekar an der kathol. Kantonal-Bibliothek in St. Gallen
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289
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S89

27. Brief des Baron W. an N. N., vom28 . Juni 1798 .

Ich berichte Sie, daß das letzten Samstag ineinigen Gemeinden verlesene Mandat oisissiini bei der der-maligen Regierung nicht wenig Sensation gemacht hat. DieBauern scheinen im Durchschnitte gut gesinnt; desto schlim-mer ist aber ksr» ooZnita hierüber zu sprechen. Das fürst-liche Stift ist mit 6o Mann bewachet und keinem der Hrrn.Kapitularen der Ausgang gestattet.

Blum ist gestern oder vorgestern nach Paris verreiset,ob aus Furcht vor möglicher Ahndung, oder aus Aufträgender Landesregierung? ist mir unbewußt. Letzteres scheint mirwahrscheinlicher, wenn ich darin den gewagten Schritt derBewachung des fürstlichen Stiftes beherzige. Auch solle derSekretär des letzten Sonntag abgereisten ErlacherS inRoschuch wirklich zum Verkauf der Mischen Güter schrei-ten, u. s. w.

Von den Franzosen bemerkt man zur Zeit noch keineBewegung, welches mich vermuthen läßt, daß sie entwedermit Sr. (kaiserlichen?) Majestät wegen der St. GallischenLanden im Einverftändniße stehen, oder, daß sie durch ihrallfalsiges Vorrücken die Oesterreich er ebenfalls herüber zulocken fürchten und sich zu einem kräftigen Widerstände nochzu geringzählig und zu schwach fühlen. Ersteres wäre sehr zuwünschen. Dadurch würde das fürstliche Stift und das Landmancher Gräuel-Scene überhoben. Wenn aber dieses nichtist, so ist jede Minute Versäumniß von Seite österreichischerUnterstützung Gewinnst für die Franzosen und ihre Anhängerdieser Erde.

Die Regierung beschäftigt sich mit Konstituirung derhochw. Hrrn. Konvemualen zu Sr. Gallen, über den Urheberdes fürstlichen Proklamas (denn allenthalben wird es alsunterschoben von der Regierung ausgeschrieen) und über dieArt, wie es den Gemeinden zugeschickt worden undwahrscheinlich werden diese Quäftionen zuerst aufgelöst seinmüssen, bevor die Franken mit Thätigkeit eintreten werden.

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