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Psychologische Briefe / von Dr. Johann Eduard Erdmann
Entstehung
Seite
VIII
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VIII

Dedikations-Epistel.

wären ein Herz und eine Seele. Mir wieder könntemanches, was ich zu Ihnen gesprochen habe, wüfste man,an wen es gerichtet ist, als Impertinenz ausgelegt werden,und ich weifs nicht, ob an meinem guten Rufe noch soviel zu verderben ist, dafs ich selbst demselben Wundenschlagen dürfte. So glaubte ich es uns beiden schuldig zusein, Ihnen die Maske des geheimnisvollen Unbekannten,die Sie einmal trugen, nicht zu entreifsen.

Dagegen wünschte ich in einer andern Hinsicht Ihneneine ganz andere Rolle zuzuweisen, als die Sie vor vierJahren spielten. Niemand weifs besser als Sie, welchenKampf es mir gekostet hat, mich an den Gedanken zugewöhnen, dafs eine Behandlung der Psychologie, wie ichsie in einem freundschaftlichen Briefwechsel für die einzigpassende halte, und die ich als eine mir selbst sehr vor-teilhafte erprobt habe, weil sie meinem Denken eine un-gewohnte Motion gab, dafs diese, als von mir versucht, vordas grofse Publikum gestellt war. Es war aber einmalgeschehen. Der Mann, von dem ich dreist sagen kann,dafs er sich stets als der Beste unter meinen Freundengezeigt, indem er noch niemals mich wissentlich gekränkthat, dieser hatte, was zu ihm gesprochen, in ein allen,die dergleichen lesen mögen, zugängliches Lesebuch ver-wandelt; die unausbleiblichen Folgen, die Sturzbäder stra-fender Recensionen waren überstanden; niemand sprachmehr von den Briefen, und so gefiel ich mir endlich darin,wenn ich in dem Buche herumblätterte, mir die Stim-mungen wieder zurückzurufen, in welchen ich daran ge-schrieben hatte, manchmal zwar mit einem trüben Seufzerdarüber, dafs die letzten vier Jahre mir gar vieles vonder Frische geraubt hatten, die damals noch in mir lebte,sonst aber mit der Unbefangenheit, mit der man in spätererZeit auch auf jugendliche Übereilungen zurückblickt.Schien es mir doch sogar bei mancher Albernheit, dieungeriigt geblieben war, als habe das lesende Publikum siedadurch sanktioniert, und wieder als wäre manche anderesehr streng getadelte durch die erlittene Strafe gesühnt.Nun aber geschah etwas, was Sie, da Sie für eine sehrgrofse Anzahl von Abdrücken gesorgt, gewifs nie geglaubthatten, und was mich, da ich die Kinder-Gewohnheit habe,alles, was nicht in Jahresfrist geschieht, als niemals ge-