ZWÖLFTER BRIEF.
Das konnte ich mir denken! Weiche Lauge des Spottesüber den „Deutschen “ und die ihm eigene Titelsucht, diesich so recht in meinem letzten Briefe ausspreche! Den„Deutschen “ acceptiere ich willigst. Sie aber hätte ichkaum für einen solchen Anhänger der weiland Grundrechtegehalten, die bekanntlich, um den Deutschen von Titel-sucht zu heilen (zwar nicht staatsmännisch, aber echtpädagogisch), als absolut unveränderliche Bestimmungnur die eine enthielten: dafs die Titel abgeschafft seien.Ich will hier gegen Sie nur dies bemerken, dafs derTitel, dessen hohe Bedeutung mein letzter Brief hervor-hob, gerade der ist, den sich die Franzosen viel häufigergeben und auf den sie viel mehr sehen als wir. SehenSie doch das verklärte Gesicht selbst der Hökerin, wennman sagt: Non, Madame; bemerken Sie das Naserümpfender Gebildetsten, wenn Sie zu Ihrem höflichsten oui nichtMonsieur hinzufügen-, bedenken Sie, dafs es selbst Vol-taire lieber war, anstatt durch die Nennung des blofsenNamens als der Weltberühmte bezeichnet, Monsieur deVoltaire genannt zu werden, und Sie werden sehen, dafses sich hier nicht um nationale Vorurteile, sondern wirk-lich um das Wesen der Gesellschaft handelt, in welchewir in meinem letzten Briefe das Ich hineintreten sahen.Ich kehre von Ihren Spöttereien zu ihm zurück.