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Psychologische Briefe / von Dr. Johann Eduard Erdmann
Entstehung
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FÜNFTER BRIEF.

Mir ist etwas Aufserordentliches geschehen: Aufschie-ben hat mir Vorteil gebracht. Die Natur, die mich eherzu Übereilungen prädestinierte, als zu Versäumnissen,pflegt mich sonst zu strafen, wenn ich sie verleugne, dies-mal belohnt sie mich. Hätte ich, wie ich mir vornahm,drei Tage nach Absendung meines letzten Briefes den heu-tigen geschrieben, so hätte mir dies viele Arbeit gemacht,die mir jetzt durch ihre, inzwischen eingelaufene Antworterspart wird. Die Sache ist diese: Ich habe Ihnen zwarerklärt, dafs ich Ihnen nur die Resultate darstellen wolle,zu welchen mich mein Nachdenken über psychologischeGegenstände geführt habe, nicht aber zugleich entwickeln,wie sie zustande kommen. Da aber das letztere für michselbst, und ebenso in meinen akademischen Vorträgen, einHauptpunkt ist, so können Sie wohl begreifen, dafs im-mer wieder alte Gewohnheit und eigene Lust mich dahinbringt, die Notwendigkeit des Übergangs von einemGegenstand zum andern besonders hervorzuheben. So hatmichs diese ganze Woche gequält, wie ich wohl, ohneanstatt eines Briefes eine Dissertation zu schreiben, dieNotwendigkeit davon nachweisen könne, dafs der Menschnicht nur, wie die Lebensalter ihn zeigen, ein von Naturunterschiedener ist, sondern auch in einem natürlichenGegensatz steht. Dafs eine solche Notwendigkeit mir